martin krusches [flame] backroads
Fahrrad: Cruiser (Lowider)


Als Auto würde man es unter die Lowrider rechnen, als Motorrad wäre es fast schon ein Digger. Für solche Fahrräder muß aber der Überbegriff Cruiser genügen; es ist ein Custom Bicycle, also gemessen am klassischen Safety ein stark modifiziertes Rad.

Die stilistischen Einflüsse aus der Hot Rod- und Chopper-Szene sind unübersehbar. Durch die amerikanische Schwinn Bicycle Company und ähnliche Produzenten geht die Geschichte der Custom Bicycles allerdings schon Jahrzehnte mit jener derartiger Motorräder Hand in Hand, ist also kein junges Phänomen.

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Doch in Österreich sehe ich erst seit wenigen Jahren Cruiser und Fahrrad-Chopper im Alltag. Ein frisch belebter Trend, nachdem die Highriser meiner Jugendtage (heimische Derivate des Schwinn Sting-Ray) weitgehend vergessen waren.

Diesen Tiefflieger hatte ich bei einer Tattoo Convention entdeckt. Ich hätte ihn, angelehnt an die Motorrad-Typologie, gerne unter die Digger eingereiht, aber dafür sollte das Hinterrad fetter ausfallen und ein anderer Gabel-Typ verbaut sein, denn die Digger sind stilistisch von Dragster-Rennfahrzeugen inspiriert. Das meint: Möglichst bodennah und langgestreckt, damit die brutale Motorkraft das Teil nicht himmelwärts schickt.

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Dieser Cruiser wirkt aber eigentlich mehr wie ein abgemagertes Motorrad aus den 1920er-Jahren. Der weit über den Tank zurückgezogenen Lenker, die klobigen Parallelogrammgabel, die beschirmten Lampen mit den Schaltern, die Schürzchen am Kotblechende; wenn nun noch die Vollscheibe an der Tretkurbel mit Ätzwerk verziert wäre...

Niemand erwartet, daß so ein Fahrrad bequem zu fahren ist; die Motorräder aus den 1920ern waren es auch nicht. Es geht um ein Statement der Extravaganz, um die noble Distanz zu Vernunft und sparsamem Geldeinsatz.

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Ich vermute, dieses Segment von Custom Bicycles wird einen erheblichen Teil der Emotionen aufnehmen können, die frei werden, wo sich Menschen von Kraftfahrzeugen als Freizeitvergnügen zu trennen beginnen.

Dem wird vielleicht eine alte Erfahrung entgegenkommen, die mentalitätsgeshichtlich vielleicht noch aufzufinden ist. Fahrradfahren war nämlich einst ein aufregendes, fast frivoles Vergnügen für Individualisten und Individualistinnen.

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