25. März 2006

Die Frühlingstage lassen nicht nur das Schmelzwasser absinken, sondern auch das Testosteron steigen. Was sich im Fuhrpark der Gegend zeigt. Als ich gestern auf der Strecke gewesen bin, war in einem Hinterhof dieser prächtig aufgeblähte Ford Pickup zu entdecken. Der ganz offensichtlich nicht für Schwerarbeit vorgesehen ist.

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Wovon feiner Lack und überschwerer Chrombesatz erzählen. Man kann die Dimension des Fahrzeuges am davor stehenden, nicht gerade kleinen Puch G ermessen. Enormer Aufwand, um die eigene Silhouette zu vergrößern. Und gewiß ein Albtraum, wenn es darum geht, vor einem der oststeirischen Eissalons elegant einzuparken.

Cut!

Apropos Testosteron. Im dieser Woche habe ich im "Spiegel" zwei bemerkenswerte Statements gelesen, wovon eines zur Sache paßt. Ob das denn nun eher zum Lachen oder zum Weinen ist, habe ich noch nicht klären können.

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Scheich Ahmed Ibn Said al-Maktum aus dem Emirat Dubai hat erhebliche unternehmerische Ambitionen und ebenso erhebliche Mittel, um diesen Ambitionen nachzugehen. Europa ist für ihn ein interessanter Markt. Was in der Außensicht zu einer Gewichtung führt, die mich überrascht hat:

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In Österreich haben es "ausländische" Investoren ja weniger leicht. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl bewertete den unlängst recht merkwürdig verlaufenen Verkauf der "Bank Burgenland", bei dem der ukrainische Bestbieter von der Landesregierung ausgebootet wurde, so:

"Die Vorgangsweise war jämmerlich und wirft kein gutes Bild auf Österreich." (Quelle: "Der Standard") Treichl konstatiert nationalistisch und rassistisch begründete Dummheiten quer durch Europa.

Das korrespondiert mit dem aktuellen, dem sechsten Rassismus-Report von "ZARA", der auf der Website als PDF-Datei downloadbar ist. Fazit: In Österreich nimmt der Rassismus zu.

Man möchte, polemisch verkürzt, fragen, ob dieses Volk zu blöd sei, sich in der Gegenwart zurecht zu finden. Und ob wir dafür innerhalb der nächsten 30 Jahre auf den Knien rutschen werden, um aus dem "Ausland" jene Leistungen und Kräfte zu beziehen, die wir dann selbst nicht aufzubringen imstande sein werden.

Ein Beispiel. Hat nicht eben die Familienministerin verlautbart, sie werde ausländischem Pflegepersonal die Zugänge nach Österreich erleichtern? Weil sich für die Betreuung alter Menschen Engpässe auftun.

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Nein. Natürlich ist nicht ein Volk zu blöd. Das Verhalten von Bevölkerungsteilen steht im Zusammenhang damit, was exponierte Opinion Leaders als vertretbar ausgeben. Wenn etwa politisches Personal den Fremdenhaß als Erklärungsmodell für komplexere Problemlagen propagiert, kommt am Ende der Geschichte ... Rassismus heraus. Das müßte nicht erst geklärt werden. Das haben wir im 20. Jahrhundert schon durchgespielt und daher unmißverständlich klären können. Meinungsbildende Eliten spielen eine enorm wirksame Rolle beim Voranbringen oder Eindämmen von Rassismus.

Cut!

Opinion Leaders. Was Peter Handke als Skandal angelastet wird, ist, wenn ich kolportierte Aussagen und prüfbare Quellen vergleiche, vor allem ein Skandal in Fragen der Definitionsmacht. Wer darf sagen, was es ist? Am 20. März zeigte das Cover des einigermaßen seriösen "Standard" folgende Passage:

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An- und Abführungszeichen, so die Konvention, kennzeichnen Zitate, markieren das, was jemand gesagt hat. Hat Handke gesagt, er sei über seine Nähe zu Milosevic glücklich? In der ersten verfügbaren Quelle kann ich das nicht finden. Siehe: Die Rede!

Ich bin neugierig, ob andere Quellen diese oder jene Version bestätigen werden. Es gibt Fernsehberichte. Ich kenne Menschen aus Serbien, Bosnien, Kroatien ... es wird jemand davon mir mitteilen können, was genau Handke in serbischer Sprache gesprochen hat.

Definitionsmacht.

In einem "Artikel vom 19.03.2006 | apa |ron" berichtete der "Kurier":
>>Handke hatte sich dabei nach eigenen Worten dem früheren jugoslawischen Machthaber "nahe" gefühlt. Er sei "glücklich", dass er sich heute in Serbien befinde und "Slobodan Milosevic nahe" sei, sagte Handke am Samstag in seiner auf serbisch gehaltenen Rede vor 20.000 Anhängern des Ex- Diktators.<<

Wurde Handke hier korrekt zitiert? Aus welcher Quelle? Aus welchem Zusammenhang? Im selben Artikel lese ich nämlich wenige Zeile später:
>>1996 hatte Handke mit der Veröffentlichung seines Textes "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" einen Skandal provoziert. Darin bezeichnete er die Serben als die wahren Opfer des Bürgerkrieges.<< [Quelle]

Das ist schlicht die Unwahrheit. Man braucht das Buch bloß zu lesen, es ist ein schlanker Band. An keiner einzigen Stelle wird auch nur angedeutet, "die Serben" seien "die wahren Opfer des Bürgerkrieges."

Was taugt also eine Berichterstattung, die mit Quellen so beliebig verfährt?

Fußnote:
Wenn Handke das Pressewesen beschuldigt, Verwalter und Profiteur des Hasses zu sein, dann ist daran auf jeden Fall stichhaltig, daß unsere eigene Erfahrung genau das besagt: Nationalismus und Rassenhaß sind ab dem Ende des 19. Jahrhunderts nachweislich und nachlesbar vor allem von Journalisten, Hobbyhistorikern und Lokalgrößen unter Dichtern mit der Promotion versehen worden, die ihnen zu wesentlich zu einer Massenbasis verhalfen ...

Für die Steiermark meint das zum Beispiel Prominenz wie Peter Rosegger und Ottokar Kernstock. Siehe dazu:
Klaus Zeyringer: "Schlacht auf dem teutschen Schreibtisch"
Martin Krusche: "Die Pflege der Barbaren"

[Zu Peter Handke]

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