18. August 2006

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Drehstuhl. Unter dem Begriff war mir das Ding bisher geläufig. Auch: Bürostuhl. Aber! Rollstuhl? Vor Wochen habe ich dieses Paar schon einmal hier in dieser Aufmachung gesehen. Es war also kein Provisorium. Demnach: Rollstuhl. Bedeutet das, jemand konnte die Kosten für einen konventionellen Rollstuhl nicht aufbringen?

Cut!

Brecht. Gestern. Und heut: Grass. Ja, ich komm daran nicht vorbei. Diese Unruhe. Hab bloß Zeit gebraucht. Mir war eine Weile nicht klar, was ich über die Geschichte denke. Daß Günther Grass bei der Waffen-SS gewesen ist. Es jetzt, als alter Mann, von sich aus seinem Publikum vorlegt. Ohne es verborgen zu haben. Aber eben auch nicht betont. Nun? Ja was?

log777b.jpg (10496 Byte) Soweit ich lese, ist grade viel von Moral die Rede. Das mißfällt mir eher. Wem verdanke ich bloß diese anregende Feststellung? Nämlich: Die Moral sagt: „Du sollst!“ Ethos sagt „Ich soll!“ Ich hab nun ganz einfache Fragen. Ist er ein Täter gewesen? Hat er gelogen? Hat er andere zu täuschen versucht? Es scheint Antworten zu geben. Offenbar lauten sie: nein!

Ich begrüße die Gelegenheit, von jemandem mit hohem Reflexionsvermögen und Sprachniveau dargelegt zu bekommen, was es damit auf sich hat, wenn einer als junger Kerl zur Waffen-SS ging. Es interessiert mich sehr, solche Dinge aus erster Hand zu erfahren, von Akteuren dieser Zusammenhänge. Vor allem wenn ich vermuten darf, daß die Schilderung kein Täuschungsmanöver ist.

[Große Ansicht. Foto aus der Sammlung Vogeltanz.]

Deswegen muß man Grass nicht mögen, sein Verhalten nicht billigen. Aber ich will lesen, was er darüber zu sagen hat. Unabhängig davon interessieren mich moralische Erörterungen recht wenig. Man ahnt, ich tendiere eher zur Seite des Ethos ...

Cut!

Was ist mit meiner Konzentration los? Ich lese „Grass“ neben „Menasse“ als „Grasse“ und er rutscht mir Richtung „Grasser“. Erst unlängst las ich: „Der Café-Chef“. Und das meinte den „KP-Chef“ Fidel Castro. Zugleich stelle ich allergische Reaktionen fest. Wenn jemand sagt: „andenken“. Oder: „hinterfragen“. Ist denn anzudenken so etwas wie den Fuß heben, wenn man einen Schritt machen will? Wonach fragt man eigentlich, falls man eher nicht wissen will, was hinter diesem oder jenem Umstand zu finden wäre?

Hm. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Vorkommnissen. Daß mir womöglich vor lauter Polit- und Kultur-Karaoke die Konzentration flöten geht, respektive sich andere Motive sucht ...

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