16. April 2011

Wozu Kunst? Wozu Wahrnehmungserfahrungen? Wozu Reflexion? Wozu ein kulturelles Geschehen jenseits von Alltagsbewältigung? Tja, warum sind wir nicht bloß mäßig soziale Tierchen, die einfach ihre Jobs tun, ohne sich weitere Sinnfragen zu stellen? Sie merken schon, es bliebe zu vieles offen, wenn wir keine Gelegenheiten fänden, den Lauf der Dinge und unsere eigenen Positionen darin zu überprüfen.

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Das Kulturgeschehen ist nicht der einzige, aber ein sehr wesentlicher Ereigniszusammenhang solcher Möglichkeiten. Die Kunst ist eine der radikalsten Formen menschlicher Selbstvergewisserung.

Aber wozu Selbstvergewisserung? Na vielleicht, weil wir sonst dubiosen Einflüsterungen ziemlich mittellos ausgesetzt wären. Ich habe hier schon öfter von den krisenhaften Kräftespielen erzählt, in denen sich vor allem kleine Gemeinden befinden. Woher kamen diese Probleme? Oh! Haben eventuell Kunstschaffende die Gemeinden ausgeplündert? Könnte sein! (Aber wahrscheinlich ist es nicht!)

Bei der Durchsicht von Papieren entdeckte ich gestern in einer SPÖ-Wahlkampf-Broschüre von 2010 die Forderung eines Gemeinderates, lieber die "Mindestbedürfnisse" von "Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten" zu unterstützen, als "zu viel" vom Gemeindebudget für "diverse Künstler" zu verplanen.

Wie ist es denn überhaupt möglich, daß ein Gemeinderat, den ich in Jahrzehnten hier noch bei keiner Kunstveranstaltung gesehen habe, diese Polarisierung "Soziales/Kultur" als einziges politisches Thema und Statement in einem Wahlkampf anzubieten hat?

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Ich lasse diese Kuriosität kurz beiseite. Heute Nachmittag werde ich mit Emil Gruber (links) und Franz Sattler in Albersdorf unsere Ausstellung "wheels" eröffnen. Ja, nachmittags. Wir loten einmal aus, was sich ereignet, wenn man Menschen um 15:00 Uhr zur Vernissage bittet.

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Emil hat in der Vorbereitung historisches Material ausgewertet. Hier: "Ford T Chain USA 30s". Ich werde etwas davon in der Dokumentationsleiste zeigen: [link] Das knüpft an einen thematischen Entwicklungsprozeß von mehreren Monaten an: [link]

Die Fragen unserer privaten und individuellen Mobilität sind übrigens einigermaßen radikal mit mehreren anderen Fragestellungen verknüpft, wovon einige sich im Themenzusammenhang "Ernährungssicherheit" und "Ernährungssouveränität" bündeln. Dieses Thema werden wir in weiteren Schritten reflektieren, welche wir aus dem "Tag der agrarischen Welt" abgeleitet haben: [link]

Ich greife eine kleine Skizze heraus, die solche Zusammenhänge erahnen läßt: Es werden weltweit etwa 1,33 Milliarden Menschen den Tätigkeiten in der Landwirtschaft zugerechnet. Davon arbeitet rund eine Milliarde bloß mit den Händen. 300 Millionen Menschen haben Zugtiere zur Verfügung. Nur 30 Millionen arbeiten in der agrarischen Welt mit Maschinen.

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Welche Konsequenzen das für die Produktion und den Markt weltweit haben muß, können sich selbst Laien ausmalen. Rechnet man ein, welche dominante Rolle die Verfügung über Erdöl dabei spielt, erahnt man, wie komplex das alles zusammenhängt.

Bedenkt man ferner, daß es in Österreich gerade einmal drei große Handelsketten sind, die den Handel mit Nahrungsmitteln dominieren, daher auch die Preisgestaltung bestimmen, könnta man ganz mutner werden.

Ich habe in letzter Zeit öfter Menschen gefragt: Woher kriege ich was zu essen, wenn es die Lastwagen -- aus welchen Gründen auch immer -- bloß ein, zwei Wochen nicht zu meinem bevorzugten Kaufmann schaffen?

Da dämmert einem, es ist aus vielen Gründen nicht völlig egal, ob es Bäuerinnen und Bauern in unserer Umgebung weiterhin schaffen oder nicht ...

[april-festival 2011]

 

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