31. August 2011

Es gibt Dinge, die ich seit Jahrzehnten besitze, um sie genau dann, wenn ich sie einmal brauche, nicht zu finden. Als junger Kerl habe ich zwei Puch-Roller gefahren, vom kleineren, dem 125er, ist die Betriebsanleitung erhalten geblieben.

log1769a.jpg (21205 Byte)

Da ich nun mit Kulturwissenschafter Matthias Marschik gerade ein Buch über den Steyr-Puch 500 abschließe, zu dessen Bezugssystem der Puch-Roller zwingend gehört, habe ich dieses alte Druckwerk dringend gesucht, um ein brauchbares Bild des 125ers zu haben. Mit dem Thema sind wir im Kerngebiet österreichischer Mobilitätsgeschichte zugange. (Von Marschik gibt es demnächst auch ein Buch über das "Automobil in Wien 1955 bis 1975".)

log1769b.jpg (27323 Byte)

Eine letzte Durchsicht des Textes war also teilweise bei einem "Wiener Frühstück" zu absolvieren. Damit ist nun auch schon die Basis für eine weitere Publikation gelegt. Michael Toson, der ein Stück Basis unseres "Kuratoriums für triviale Mythen" repräsentiert, hat einige Ausschneidebögen aus der Puch-Welt entworfen. Die werden heuer noch als Album erscheinen.

log1769c.jpg (17906 Byte)

Hier zwei Prototypen aus Tosons Werkstatt, der "U3" und ein Steyr-Puch 700. Während all das noch abzuarbeiten ist, wälze ich mit Marschik schon weiterführende Pläne. Es hat im 20. Jahrhundert einen massiven ideologischen Streit zwischen den USA und Deutschland gegeben.

Das vom Ersten Weltkrieg wirtschaftliche geschwächte Deutschland konnte seine Automobilindustrie nicht annähernd so voranbringen wie Amerika. Folglich vertieften sich Kontroversen, in denen die deutsche Seite für sich die Vernunft reklamierte und den "Ingenieurskünstler" einführte, während man den Machern in den Staaten für ihre Flotten riesiger Automobile pathologische Seiten unterstellte.

log1769d.jpg (34522 Byte)

Als ich heuer einen 1949er Oldsmobile 88 mit dem legendären "Rocket-Motor" live erwischt habe, war die "Mutter aller Muscle Cars" im Kasten. Dieses Genre, das sich Ende der 1960er, Anfang der 70er in den Staaten verdichtete, schließlich von teuren Versicherungsprämien und einem Ölpreis-Schock erledigt wurde, repräsentiert den Höhepunkt der Kontroverse.

Während europäische "Supersportler" für die Reichen gebaut wurden, zielten die amerikanischen "Muscle Cars" auf das Massenpublikum der Mittelschicht. Ich denke, Marschik und ich werden das in ein eigenes Buch packen können. Marschik: "Was mich dran interessierte, sind vor allem die amerikanisierten Europäer (Ford 17m, Triumph Herald etc.)!"

Wir haben eine ganze Liste von guten Gründen, diese Historie und ihre Konsequenzen genauer durchzusehen. Für mich besteht kein Zweifel, daß wir jetzt schon mit "Ausstiegs-Szenarios" befaßt sein müssen. Denn genau die "Muscle Cars" stehen historisch für den unmöglichen Traum: Massenmotorisierung auf der Basis mächtiger Verbrennungsmotoren. Das ist ein Motiv von enormer Wirkmächtigkeit, aber ökonomisch eigentlich schon erledigt; ökologisch natürlich auch.

[flame-log]

 

[kontakt] [reset] [krusche]
35•11