26. September 2022

Gewalt gegen Frauen

Eben erst dachte ich, daß ich ein Stalking-Problem mit einer Frau hätte, die in Schwierigkeiten steckt. Sowas ist kräfteraubend. Es verkürzt einem den Schlaf. Es ist sehr beunruhigend. Nun aber habe ich ein handschriftliches Dokument in Händen, durch das sich die Ereignisse genauer ordnen lassen.

Ich muß annehmen, da hat sich eine Frau zu mir geflüchtet, die mehrmals schwer mißhandelt wurde. Vermutlich nicht erst jüngst, sondern auch weiter zurückliegend. Ich bin weder befugt, noch qualifiziert, Befunde zu erstellen. Aber ich bin sehr wütend und niedergeschlagen durch das, was sich da gerade als schlüssiges Bild vor meinen Augen verdeutlicht hat.


In diesem Bild paßt etliches, was mir erzählt wurde und was ich an Wundmalen auf einem Leib gesehen hab, wie eine Reihe Puzzlesteine zusammen. Es macht mich zornig, derart konkret zu sehen, wie sich Gewalt gegen Frauen ereignet, einfach so, wie das mitten unter uns geschieht, wie man die Zeichen übersehen könnte, wie schwierig es ist, dabei auf nützliche Art zu intervenieren, ohne dabei den Kummer eines betroffenen Menschen zu vertiefen.

Ich lege das hier offen, weil ich nicht darüber schweigen will. Ich kann mit all dem, was es in mir anrührt, umgehen und fertig werden. Das geschieht hinter den Kulissen, dazu brauche ich keine Social Media. Aber worauf sollte ich warten, um ein Schweigen zu bewahren über Dinge, durch die in unserer Gesellschaft vor allem einmal die Opfer in „Schande“ getaucht werden?

In den letzten Tagen dachte ich während einiger Momente freilich, ich hätte mich hier zum Deppen gemacht. Das war eine Fehleinschätzung mangels meiner Fähigkeit zu sehen, womit ich es zu tun hab. Ich war der Fluchtpunkt für eine Frau, die – wie es scheint - erhebliche Gewalttätigkeit ertragen mußte.


Mir wurde nun klar, was ich alles nicht weiß, um auf so eine Begegnung angemessen zu reagieren; im Sinn von nützlich reagieren. Mein Fokus war in den letzten Tagen hauptsächlich bei den Problemen, die ich daraus bezogen hab, also bei meinen Ungelegenheiten.

Ich bin von gestern auf heute natürlich nicht gleich klüger geworden. Aber es ist klar: Das muß aufhören! Es muß aufhören, daß innerfamiliäre Gewalt sowie generell Gewalt gegen Frauen in unserem Land epidemische Ausmaße hat, doch man sieht es oft noch nicht einmal, wenn es einem direkt vor der Nase steht.

Es muß aufhören, daß Männer begehren können, was sie verachten, ohne dafür geächtet zu werden. Es muß aufhören, daß wir die Zeichen nicht lesen können, daß wir keine Routinen und Rituale haben, uns schützend vor betroffene Frauen zu stellen, und stattdessen ihre Stigmatisierung dulden.

Ich kann Ihnen dazu weiter nichts raten. Finden Sie selbst heraus, was man individuell beitragen kann, damit sich diese Dinge ändern! Es gibt vermutlich tausende Dinge zu tun, um das zu bewirken.

+) Stalker


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