25. Juni 2023

Putins Wochenende

Die brisanteste ORF-Meldung lautete gestern: „Machtkampf in Russland: Der Konflikt zwischen dem russischen Militär und der Privatarmee Wagner eskaliert. Was wir bisher wissen:...“ Tagesaktualitäten bewegen mich meist nicht so sehr. Ich hab nämlich keine Laune, mich zu allen akuten Angelegenheiten zu äußern, obwohl ich ja zu allem eine Meinung hab.


Aber Putin und die Konsequenzen, das beschäftigt mich schon eine Weile. In der Kalenderwoche 10/22 hab ich notiert: „Putin spricht“. In der Kalenderwoche 13/22 war festzuhalten: „Mai acht | Die Areale | Es ist Krieg“. Das hatte ich unter anderem im „Zeit.Raum“ verankert, wo auch heuer rund um den 8. Mai einige inhaltliche Arbeit anstand.

Ich schrieb gestern in meiner Facebook-Timeline: „das entwickelt sich doch höchst interessant! wie einst die condottieri einem füsten das licht abgeschaltet haben, wenn der nicht zahlte, so ist das eben mit kriegsknechten. putins anmaßung ist also in jeder hinsicht total antiquiert. na, dann wirds auch früher oder später auf die alte art ausgehen...“


Heinz Payer meinte dazu: „das kennen wir vom alten rom….“ Ich darauf: „und übrigens auch von heerführer andreas baumkircher, den der gute katholische kaiser erst nicht bezahlte und dann die rechtskonforme fehde damit löste, daß dem mann freies geleit nach graz zugesichert wurde, wo man ihn ermordete. lauter nette leute, diese kaisers.“

Meine nächste Notiz: „ich lese inzwischen, putin spricht von einer meuterei. da bin ich geapannt, ob sein ego es ermöglicht, daß er sich mit warlord prigoshin verständigt und womöglich einigt. ich vermute, wagners mannschaften aus kriegserfahrenen söldnern, ergänzt um entlassenen kriminelle, hauen allerhand noch unerfahrene rekuten ziemlich zügig weg, was enorme image-schäden verursachen dürfte, die viele von putins kommandeuren noch blöder dastehen lassen, als es ohnehin schon der fall ist. was mit geld und blut alles gemacht werden kann...“



(Quelle: ORF)

Nur wenige Minuten später war Putins aktuelle rede verfügbar. Ich notierte: „wow! prigo und putin wörteln also, wer nun des 'verrats am vaterland' schuldig sei. da geht es also ideologisch ans eingemachte. aus dem kleinen handbüchlein 'krusches lieblingsmantras': verliert der anführer den ruf des siegers, werden ihn seine eigenen prätorianer fressen. postskriptchen: putin hat 'dolchstoß' gesagt. (kennen wir!)“ Stichwort Dolchstoßlegende: [Link]

Kleiner Einschub: „dazu eine film-empfehlung zum themenkomplex krieger und politiker, nämlich die beeindruckende shakespeare-verfilmung „coriolanus“ mit einem bewegenden ralph fiennes in der hauptrolle" [Link]

Dann ein interessanter Einwand von Richard Hubmann: „Ich sehe weniger einen Aufstand von Söldnern, sondern den Griff konkurrrierender Oligarchen nach der Staatsmacht. Allein die Tatsache, dass es schon seit Jahren Privatarmeen, wie die von Prigogin oder von Kadyrow geduldet und gefördert werden, weist auf ein etwas fragiles Gleichgewicht hin. Spannend wird, was aus den Tiefen der regulären Armee und des Staatsapparates kommen wird. Große Begeisterung über das Ukraine- Abenteuer hat dort ja nie geherrscht. Ein bisschen wünschen und verklärt an Portugal 1974 denken, wird man wohl noch dürfen.“



(Quelle: ORF)

Ich darauf: „na eh. die söldner folgen dem geld. an einem aufstand verdient man nix. ich gehe davon aus, daß prigo nicht bloß aus eigenem interesse handelt, sondern im einvernehmen mit etlichen machtpromotoren rußlands vorgeht.“

Diktatur ist ein Geschäftsmodell. Russische Seilschaften, die Rußland seit Jahren ausplündern, werden sich nun wohl neu gruppieren. Putin ist quasi der Prokurist solcher Formationen. Es scheint, als habe er nun nicht bloß mit Warlord Prigo ein Problem, sondern auch mit dem Inlandsgeheimdienst FSB. Das könnte sich als tödliche Belastung erweisen.

+) Eurasien

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(Quelle: ORF)