29. Juni 2023

Forrest Prigo geht heim

Das sind Tage reichlicher Verwirrung. Was das Spiel „Prigo versus Putin“ angeht, nehme ich zur Kenntnis, daß selbst versierte Leute in ihren Kommentaren verblüffende Annahmen vorlegen, die mir teils widersprüchlich erscheinen. Das heißt für mich hauptsächlich, Putin und seine Kamarilla arbeiten in bester Geheimdienst-Manier verwirrend.

Prigoshin beteuerte selbst, es sei ihm nicht um den Präsidenten gegangen, seine Aktion mit der Bedrohung Moskaus sollte auf die Inkompetenz im russischen Verteidigungsministerium hinweisen. Manche Kommentare deuten an, Putin habe das arrangiert. Aktuell lese ich, der russische Geheimdienst sei informiert gewesen.



Ein Ausschnitt [Hier das komplette Bild]

Das sind Optionen, die meine Vorstellungsgabe übersteigen, also werde ich aufhören, darüber weiter nachzudenken, um nun solide Ergbnisse abzuwarten. Militärexpertinnen und -experten sprechen teilweise von einer Meuterei. Dazu müßten die Söldner freilich Teil der regulären Armee Rußlands sein, was nicht der Fall ist.

Also hat Prigos Gang aus meiner Sicht nicht gemeutert, sondern ein privates Unternehmen hat Moskau bedroht. Aber ein Putsch soll es auch nicht gewesen sein. Doch etliche Kommentare stimmen überein, daß Prigo die Sache nicht überleben wird. Auch wenn es vielleicht Jahre dauert, bis ein Attentäter kommt. So wird Putin eingeschätzt.

Die Gruppe Wagner ist übrigens nicht die einzige Privatarmee Rußlands, obwohl derlei Streitkräfte dort per Gesetz verboten sind. Weshalb konnte diese Soldateska von Prigoshin also was werden? Rußland verfolgt so manche Interessen im Ausland, etwa in Afrika. Da gäbe der Einsatz russischer Verbände einen Skandal.



Putins Unterschrift

So aber kann die Gruppe Wagner als militärischer Arm dieses oder jenes russischen Geheimdienstes im Interesse Rußlands zuschlagen, wobei Putin die Möglichkeit behält, uns allen zu sagen: „Nein, wir waren das nicht.“

Weshalb muß ich mich überhaupt mit solchem Dreck befassen? Na, weil ich in meiner Umgebung (auch mitten im Kulturvölkchen) sehen konnte, daß Leute uns mit allerhand Postings den Herren Putin als politische Lichtgestalt angedient haben. (In meiner Kolumne „Rechtsruck“ hab ich ein paar Beispiele genannt.)


Es kann einem schlecht werden beim Gedanken, daß ich in Gleisdorf monatelang von Leuten, die ich teils persönlich kenne, lesen durfte, daß sie Rußlands „Demokratie“ unserer für überlegen halten. Und wer alles zu den öffentlich vorgetragenen Absurditäten schweigt. (Das reicht bis ins Gleisdorfer Rathaus hinein.)

Ich kenne bis heute keine Schritte von offizieller Seite, gegenüber der regionalen Kulturrevolution von rechts, die evident ist, eine Linie zu ziehen. Zu viel Aufwand? Eine kleiner Erinnerung. Was stand über den Toren von Auschwitz? „Arbeit macht frei.“ Was sollten wir draus schließen? „Freiheit macht Arbeit!“