28. August 2023

Demokratie 2.0

Montag, 35. Kalenderwoche, nun mein Logbuch-Blatt #3450, also wieder eine runde Zahl; und die Welt? Herr Putin hat schon eine Anklage und eine Zimmerreservierung in Den Haag erhalten. Herr Trump hat sich nun mit einem polizeilichen Mugshot in die Geschichtsbücher eingetragen. (Heinz Payer hat das auf bewährte Art paraphrasiert.)



Grafik: Heinz Payer

Wir erinnern uns, beide Herren waren und sind bei uns womöglich noch Gegenstand der Verehrung in einer Ömpörung gegen die österreichische Diktatur. Selbst regionale Kulturschaffende haben uns dazu Denkanstöße geboten („Hat Putin Recht?“). Die Puppenspielerin, die Yogini, die Schlagersängerin, aber auch einige knorrige Herren, Vaterlandsverteidiger, haben uns stellenweise belehrt.

Ich lese, daß nun Präsident Putin den Tod von Warlord Prigo bestätigt habe. Ein sensationeller Zufall, daß ausgerechnet der Flieger mit Prigo und Utkin wegen einer Panne vom Himmel fällt. Oder wegen einer Rakete? Schriftsteller Wladimir Kaminer fragte treffend: „Wer kocht nun für Putin?“



(Quelle: Puls 24)

Apropos Yoga! Indiens Premierminister Narenda Modi, nebenbei Ober-Guru des Welt-Yogatages und Exponent der am Nationalsozialismus geschulten Hindutva-Politik, hat sich kürzlich mit Rußlands Putin und Chinas Xi gezeigt. Man werde dem Westen ab nun vereint zeigen, was „westliche Werte“ taugen.

Derweil ist es in Eichkögl, nahe Gleisdorf, offenbar ein wenig ruhiger geworden. Ich darf erinnern, dort befindet sich die „Kulturfestung“, das Hauptquartier der „Identitären“, mit denen die „Trefferei“ im Zentrum Gleisdorfs kooperiert hat, wie auch mit einigen anderen rechtsextremen Formationen, ohne das bis heute aufgeklärt zu haben.



(Quelle: Die Presse)

Na, was bin ich froh, daß wir wieder im wärmeren Fahrwasser angekommen sind, raus aus der Kälte des Diktatur-Schocks, den wir hierzulande ertragen mußten. Oh, Moment! Nur weil die Neue Rechte und die Zierfische des Neofaschismus grade nicht mit anderen Leuten durch Gleisdorfs Straßen lärmen, ist das alles kaum erledigt.

Paul Mason notierte in seinem ausführlichen Essay über den Faschismus, in dem er übrigens auch Indiens Modi, Amerikas Trump und Österreichs Identitären Marin Sellner würdigt: „Wir müssen den symbolischen Charakter ihrer Gewalt verstehen, um zu ergründen, was sie zu erreichen versuchen.“



(Quelle: Inkwell Studios

Mason faßt zusammen: „Der Faschismus ist Furcht vor der Freiheit, geweckt durch eine Ahnung von Freiheit.“ Darüber kann ja vorerst einmal in Ruhe nachgedacht werden, während die Neue Rechte darangeht, die nächsten rund 40 Jahre ihres Reüssierens anzupacken. Laßt uns derweil Demokratie 2.0 feiern. Trotz aller Zensur und Repression in Österreich geht es uns ja... irgendwie.

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