10. Jänner 2024

Belebte Flaute

Ich hatte mehr als dreißig Jahre lang auf die Möglichkeiten einer kollektiven Wissens- und Kulturarbeit in der Region gesetzt. Davon waren zwanzig Jahre in einem speziellen Projekt gebündelt, um Aktion und Reflexion beinander zu halten: „The Long Distance Howl“. Interessant, aber nicht etablierbar.

Daran finde ich im Rückblick bemerkenswert, daß in diesem Milieu – dem regionalen Kulturvölkchen - hauptsächlich altvertraute, hierarchische Konzepte reproduziert wurden. Vielleicht ist daran gar nichts Überraschendes.

Eventuell entspricht in hohem Maß das der Conditio humana. Es erinnert mich an jenes Bonmot aus der Unterhaltungsliteratur: Der Sklave träumt nicht davon frei zu sein, sondern Herr zu sein.


Malerin Monika Lafer hat mir derlei Erörterungen mit dem Hinweis darauf garniert, daß unser Gehirn ein Energiesparmeister sei, was bedeutet, es tendiere stets zu einem niedrigen Energieumsatz. Vielen Menschen dürfte nicht klar sein, daß unser Hirn ein enormer Energiefresser ist, was unser Kopf mit einer erheblichen Wärmeabstrahlung belegt.

Komplexe und konsequente Denkarbeit haut den Energiebedarf rauf. Wenn man das nicht sehr möchte und betreibt, sackt der Verbrauch ab, was unter anderem bedeutet: moderate kognitive Arbeit hilft Energie sparen.

Das ist nun keine sehr präzise These. Aber es mag verstehen helfen, weshalb auch im Kulturvölkchen die moderate bis mäßige Denkleistung eine breite Anhängerschaft hat. Es ist ein biologisches Energiesparkonzept.


Egal! Diese Ära habe ich abgeschlossen. Dabei wurde mir in jüngerer Vergangenheit auch durch einige kulturpolitische Konferenzen verholfen. Als Substrat sehe ich im Fokus des gesamtsteirischen Kulturvölkchens vor allem die Themen Vernetzung, Budgetzuwachs und... War sonst noch was?

Was die Vernetzung angeht, bin ich schon dabei gewesen, als man dazu noch Bücher verfaßt hat. Inzwischen sind a) das Internet mit verschiedenen Diensten und neuerdings b) die Social Media der Beleg, daß alle notwendigen Tools zur Vernetzung nicht bloß verfügbar sind, sondern auch preiswert und leicht zu bedienen.

Wenn wir nun Vernetzungs-Defizite zu beklagen haben, dann deshalb, weil „Die Szene“ sich in Wahrheit offenbar nicht vernetzen will, denn sonst hätte sie es die letzten 30 Jahre schon zehn mal tun können. Außerdem nützen die Werkzeuge selbst noch wenig, denn sie machen unsere Arbeit nicht.


Damit soll betont sein: Erst wenn ich ein paar gute Ideen für laufende Erzählungen habe und dazu den Wunsch, mit anderen Personen/Formationen konkret zu kooperieren, wird Vernetzung machbar, sichtbar, wirksam. Das könnten die primären Kräfte an der Basis ganz von sich aus leisten, dann würde das abheben.

Wo wir es aber selbst nicht leisten, schlägt die Stunde der Verwaltung. Von der Kulturabteilung des Landes bis zu den entlegensten Regionalmanagements freuen sich Menschen über gute Jobs mit passabler Bezahlung. Die gehen das Vernetzen gerne an. Aber Überraschung! Sie haben Eigeninteressen, die dabei durchgesetzt werden. Okay, Deal ist Deal. Man muß bloß wissen, welche Art von Leistungsaustausch man bevorzugt und daher bedient.

+) Kulturpolitik