20. Jänner 2024

Fensterbänkler

Vermutlich kennen Sie einige Beispiele dieses Menschenschlags. Solche Konsorten verbringen allwöchentlich viele Stunden ihres Lebens mit den Unterarmen auf der Fensterbank und schauen, was draußen los ist.

Die milde Version dieser Zaungäste beobachtet und staunt. Dann aber gibt es auch jene Schnösel, die ihre Ansichten umgehend rausplärren, wenn da jemand ist, der ihnen mißfällt, etwas tut, was sie beanstanden müssen.



Fensterbänkler reagieren meist allergisch auf Andersdenkende.

Im Englischen nennt man solche Genies „Backseat Driver“. Leute, die anderen sagen, was die tun sollen, während sie selbst bloß Passagiere ihres Lebenslaufs sind. Freilich gibt es diese Figuren auch in den Social Media. Sie können das leicht an deren Timeline erkennen.

Wie ist das Verhältnis eigener, halbwegs kohärenter Aussagen/Mitteilungen solcher Tratsch-Primadonnen zu ihren Kommentaren bei den Postings anderer Leute? Dann sehen Sie eventuell in deren Timeline (Fensterbank) ist es meist ruhig. Außer sie müssen sich über etwas oder jemanden aufregen. Dann posten sie vorzugsweise das, was andere Leute formuliert haben. Selbstgedachtes bleibt Mangelware.



Trost & Rat vom diensthabenden Schwafelkönig.

Weshalb? Denken erhöht den Energieumsatz des Gehirns sprunghaft, was sich etwa in meßbarer Wärmeabstrahlung des Kopfes ausdrückt. Denken ist demnach eine physische Anstrengung. Wer nun ohnehin eher kraftlos auf einer Fensterbank herumhängt, sich zum Statisten im Leben anderer Leute macht, wird also mit dem eigenen Energiehaushalt vorzugsweise sparsam umgehen.

Man läßt denken und spart die eigene Energie fürs Räsonieren, für das Hinausplärren geborgter Ansichten um... Ja, was eigentlich? Na, um sich selbst als lebendig zu erleben. Diese Konsorten sind so lästig wie Pferdebremsen an einem schwülen Sommertag. Trolle, die sich mit Verve in das Leben anderer Menschen schrauben, um Aufmerksamkeit und Zuwendung flehen.



Bloß keine Dialektik, das macht unruhig!

Wäre der Mangel an Esprit strafbar, könnte man solche Schnösel mühelos verknacken. Aber in einer Demokratie hat man jede Freiheit, sich zum Deppen zu machen. In dem Zusammenhang ist es vielleicht eine Art adäquates Sozialverhalten, den Schnöseln manchmal ein paar Krümel hinzuschmeißen, damit sie was zum Beißen und zum Ärgern haben.

Die würden sonst womöglich auf kleine Kinder oder Ehefrauen losgehen, was in Österreich ja sehr populär ist. Innerfamiliäre Gewalt ist hierzulande fast ein Volkssport. Ich vermute, dieses Feld ließe sich ein wenig entlasten, wenn man den Fensterbänklern ab und zu Anlaß zum Grollen gibt, denn der Volksmund sagt ja seit vermutlich tausend Jahren: Bellende Hunde beißen nicht. Sie kläffen und die Karawane zieht weiter. Möge die Fensterbank gepolstert sein!



Kompensiert wird dann hinter verschlossenen Türen.

Postskriptum
Aus meinem Handbüchlein der Folklore: „Intelligenz ist die Fähigkeit, über zwei einander widersprechenden Ansichten nicht den Verstand zu verlieren.“