14. März 2024

Leben in der Kunst XIII

Die vorherige Notiz endete mit diesen Worten: „Aber das ist nun bloß meine Ansicht über ein Leben in der Kunst. Selbstverständlich gibt es andere Wege, Konzepte, Strategien. Unterm Strich zählt dann vor allem die Qualität eines Werkes. Wie jemand dazu gelangt, schert mich kaum.“

Es darf natürlich so verstanden werden, daß es keine verbindlichen Regeln gibt, wie man in der Kunst leben könne oder solle. Im Gegenteil! Kaum ein Lebensbereich ist so radikal auf Antwortvielfalt abgestellt.

So kommt es dann auch, daß etwa der Schnösel vom Kulm mir unterstellt, ich würde zwischen „wahrer Kunst“ und anderen Formen unterscheiden. Zitat: „Geht er einmal selbst der Frage nach, was 'wahre Kunst' sei, relativiert er wohl bald seine Schwarzweißsicht.“



Krusche und Payer by Payer: Leben in der Kunst ;-)

Ich gehe dieser Frage nie nach, weil sie Mumpitz ist. „Das Wahre“ überlasse ich den Theologen und vielleicht manchen Kräfte der Philosophie. In der Kunst ist das eine trüber Kategorie, die nach meiner Ansicht keinen Erkenntniswert bietet. Manchmal tut sich erst im Dissens etwas Nützliches auf.

Der Schnösel deutet Vorgefundenes eben nach seiner Weltsicht um, verkürzt es auf seine Vorstellungen. So notierte er im Facebook etwa: „...kann’s nicht lassen, die Kunstszene seiner Region in eine Himmel- und Höllenseite zu teilen. Hier das minderwertige 'Kunstvölkchen' und dort die sogenannten 'primären Kräfte'.“ Er versteht eben die Kategorien nicht.

Man kann es ja in meinen Glossen nachlesen. Mit dem Kunstvölkchen meine ich uns alle, die wir uns mit Kunst befassen, ohne Ansehen des Genres und der Qualitäten. Primäre Kräfte bezeichne ich jene, die den Content/die Werke erarbeiten, welche dann von den anderen, also von nachgeordneten Kräften, verwaltet, vermarktet, analysiert oder kritisiert werden. Das sind dann all jene, die sich mit Kunst befassen. ohne dabei selbst künstlerische Werke zu produzieren.



Sinnsuche? (Grafik: Heinz Payer)

Wer einen Hauch Sozialgeschichte kennt, weiß vielleicht, daß man in der Volkswirtschaft der Dampfaschinenmoderen drei Sektoren definiert hat, die keine Bewertung sind, um eine Hierarchie zu bauen, sondern rein deskriptiver Natur.

Die Agrarwirtschaft, also die Landwirtschaft, nennt man den primären Sektor. (Der wurzelt im Neolithikum.) Der sekundäre Sektor ist die Industrie, wie sie als verarbeitender Sektor mit der optimierten Dampfmaschine von James Watt im späten 18. Jahrhundert neue Dimensionen zu entfalten begann.

Als tertiären Sektor deutet man Bereiche der Dienstleistungen. Inzwischen ist auch einem vierten Sektor die Rede, wie er aus dem Dienstleistungssektor herausgebildet wurde. Das meint speziell ein Reich der Informationsdienstleistungen. In eben solchem Sinn, nicht hierarchisch und abwertend, sondern horizontal ordnend, haben wir von verschiedenen Genres und Metiers zu reden.



Selbst Kitsch ist ein relevantes Feld der Wahrnehmungserfahrungen.

In der Antike war noch von „freien Künsten“ und von „knechtischen Künsten“ die Rede. In Europa wird demnach seit über zweitausend Jahren über Kategorien gesprochen, weil das die Orientierung erleichtert. Das könnte den Kunstschaffenden völlig egal sein, wenn nicht einige von uns in verschiedenen Metiers tätig wären. Ich bin aktiver Künstler, aber auch Kulturarbeiter. Das bedeutet, ich engagiere mich in der Wissens- und Kulturarbeit abseits des Landeszentrums. Das hat natürlich auch (kultur-) politische Implikationen.

Daher suche ich nach Klarheit in den Beschreibungen und Eindeutigkeit, in den Benennungen, wenn kulturpolitischen Themen zur Debatte stehen. Damit wir wissen, worüber wir reden. Sonst wäre ein kulturpolitischer Diskurs völlig sinnlos.

+) Leben in der Kunst
+) Austria-Forum: Kulturpolitik

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