13. November 2025

Dachgleiche


Vormittags hatte ich noch bestaunt, wie ein versierter Fahrer seinen riesigen Mobilkran auf die kleine Fläche unter meinem Bürofenster stellte, ohne daß davor der umliegende Parkplatz geräumt worden wäre.

Ich bin fasziniert, was Physik bedeutet. Die Stützen ausgefahren, die Fuhre aufgebockt, dann raus mit dem enormen Ausleger, der wohl locker auf 30 Meter kommt. Allerdings könnte dieser Teleskopkran gut 200 Tonnen wiegen. Damit läßt sich allerhand wegheben.


Ein beeindruckender Job. Ich hatte angenommen, es werde noch irgendeine größere Komponente angeliefert, die über alles drübergehoben werden müsse. Hier befindet sich die entlegenste Passage des Gleisdorfer Florianiplatzes. Dabei grenzt ein öffentlicher Parkplatz an privates Terrain; durch einen schmalen Grünstreifen getrennt, der mit niederen Randsteinen eingefaßt ist.

Es waren dann vor allem zwei recht große Bauteile, die mutmaßlich zur Klimaanlage gehören. Das Haus ist aufgestockt und nach Süden hin verlängert worden. Schließlich das Bäumchen auf dem Gebäude. Dachgleiche. Das Richtfest. Höher wird es nun nimmer. Ich darf also annehmen, daß es nebenan in nächster Zeit etwas ruhiger wird.

Davor war ich abschnittweise vom Klang einiger Bohrhämmer und großer Trennscheiben begleitet gewesen. Eine gute Übung in Sachen Gelassenheit, denn wenn sowas einige Stunden läuft, brauche ich eine gute Portion Contenance. Ich hab ja nicht die Mittel, derweil in ein Hotel zu ziehen.


Dafür wurde ich zum Teil wenigstens durch diesen interessante Prozeß entschädigt, hier verfolgen zu können, wie sowas heute mitten in der Stadt gemacht wird. Ein erheblicher Materialbedarf, kaum Bewegungsraum, keineswegs freie Zufahrten; und das in nächster Nähe zu einer meist sehr belebten Verkehrssituation.

Über die Alois-Grogger-Gasse sind einige Schulen erreichbar, über die Rathausgasse, eine markante Nord-Süd-Achse, nicht nur ein großer Parkplatz beim Forum Kloster sowie dem Haus der Musik. Hier geht es auch Richtung Fürstenfeld und Feldbach.


Wer immer also da die Logistik unter Kontrolle haben muß und wer die riesigen Fuhren bewegt, braucht gleichermaßen Erfahrung wie Mumm. Zugegeben, der Baulärm kann einem die Plomben lockern. Aber Leben in der Innenstadt bedeutet eben, daß immer was in Veränderung begriffen ist. Allein die letzten zehn Jahre war ich vermutlich kaum je ohne Baulärm.

Häuschen mit Garten im Grünen? Also die republikanischen Schrumpfversion des Landhauses, wo einem eigene Ländereien die Nachbarn auf Abstand halten und Personal den Alltagskram erleichtert? Lustig! Nein, davon träume ich nicht einmal. Ich mag das Leben im Herzen einer Kleinstadt.

+) Florianiplatz


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