Nein, bloß kein Umkehrschluß! Ich spreche hier nicht
für eine Restauration der Gate Keepers. Es wäre
außerdem völlig müßig, den medialen Wildwuchs zu
beklagen, der sich als Faktenlage etabliert hat.
Daran kann nicht gerüttelt werden. Aus mindestens
einem einfachen Grund. Selbstermächtigung auf einem
freien Feld ist mit regulierenden Maßnahmen kaum bis
gar nicht vereinbar. Das funktioniert nicht.
Bleibt noch, was wir seit dem Mittelalter kennen,
als die Ritterschaft in Europa durch ihr rüdes
Verhalten für ihre Fürsten und das Volk
gleichermaßen zur Bürde wurden. Die trainierte,
waffenstarrende Kriegerkaste mit ihrem Kampf-Ethos
und ihren zunehmend schlechten Manieren konnten ja
schwer über Gewaltandrohung gebändigt werden. Es
bedurfte der Einführung eines neuen Ethos. (Lies
nach bei „Die Ritter“ von Georges Duby!)

Was bedeutet das für unsere mediengestützte
Öffentlichkeit mit der Besonderheit der Social
Media? Es legt die Beachtung von Netiquette nahe,
von akzeptierten Umgangsformen im Web. Der häufig
erlebbare Ansatz zu einer Art Faustrecht verlangt
nach Einwänden.
Ich kenne das nur als etwas
Nutzloses, wo es auf die Absender von schlechten
Manieren und Anmaßungen zielt. Die zeigen sich von
derlei Einwänden meist unbeeindruckt. Daher meine
Annahme, daß man bloß Nischen aufmachen und
kontrollieren kann, wo so ein Verhalten auf Kosten
anderer abgestellt wird.
Das Internet, der
virtuelle Raum, Telepräsenz, das sind ohnehin
fragmentierte Zonen, denn „Die Öffentlichkeit“ gibt
es nicht. Ich brauche für mein spezielles Interesse
an Netzkultur einige Kriterien und wiederkehrende
Klarheiten, womit ich es da zu tun habe. Dann kann
ich dafür sorgen, daß sich in der mir anvertrauten
Nische kein Faustrecht etabliert, keine Gewalt durch
Sprache breit macht, daß niemand auf Kosten anderer
expandiert.
Hier die Nische, wo ich
Bedingungen für ein ansprechendes geistiges Klima
schaffen und schützen kann, dort der Boulevard, auf
dem geschieht, was immer auch geschehen will. Ich
kann für meine Bereiche ein Hausrecht geltend machen
und durchsetzen. In der „freien Wildbahn“ scheint
mir solches Wollen nicht bloß unmöglich, sondern
auch sinnlos.
+)
Netzkultur: Boulevard und Nischen (Es gibt Arbeit!)+)
Netzkultur (Teleworking und Telepräsenz)