Auf meinem Weg auch eine Art Sitzecke aus
zusammengetragenen Stücken und innerhalb des
Gebäudes eine kleine Feuerstelle, in einer Ecke des
Raumes mit Ziegeln begrenzt. Offenbar hatten
Hauslose hier kurz Quartier bezogen. Es gibt ein
paar solcher Stellen in Gleisdorf, doch ich hab
dabei noch nie einen Menschen angetroffen. Ich nehme
an, sie meiden Begegnungen.
In den
Kellergeschoßen hat schon lange niemand mehr etwas
zu tun gehabt. Kein Fenster, keine Lampe. Dichte
Dunkelheit. Gedämpfte Schritte auf alten
Ablagerungen. Noch nie zuvor habe ich so große
Spinnweben gesehen. Meine Neugier treibt mich
unweigerlich in solche Räume.

Ich mach das lange genug, um zu wissen, wie achtsam
Schritte dabei gesetzt werden müssen. Es tun sich
manchmal Fallhöhen auf, die man nicht überleben
könnte. Gut, im Keller des Kellers ist nach unten
nicht mehr viel Spielraum. Aber es würde hier schon
genügen, sich den Knöchel zu brechen, um einem
ungewissen Ausgang entgegenzusehen.
Bei
diesem völligen Fehlen von Tageslicht war ich in
eine wunderbare, überaus fesselnde Stille
eingehüllt. Dann fiel mir ein, daß ich hierzu Worte
aus einem Gedicht des bosnischen Autors Muhidin
Saric gedacht hatte: Gust Mrak. Dichte Dunkelheit.
Bei ihm war das freilich ein Stück Erinnerung an die
serbischen Folterlager, die er überlebt hatte. (In
seiner Sprache heißt das „Logor“.)

Vor allem in der Stille und manchmal in der
Finsternis empfinde ich, da wäre eine zeitlich
unbegrenzte Umgebung, die mich einhüllt, von
ungezählten Menschen belebt, die als Schatten noch
präsent sind. So stehe ich, manchmal der Stille
lauschend. Um es mit Manès Sperber zu sagen: als
eine Träne im Ozean.