31. Dezember 2025

Der letzte Tag im Jahr


Gestern habe ich mich bei einer Kassierin für das Wechselgeld bedankt. Meine einzigen ausgesprochenen Worte an jenem Tag. Heute möchte ich es ebenso halten. Ein kleines Stück Höflichkeit, falls nötig, nicht mehr.


Manchmal scheint mir, daß schon wenige gesprochene Sätze viel Kraft von dem verbrennen, was ich für etwas ganz anderes brauche. Geschwätzigkeit halte ich für ein Fehlverhalten, das manche Menschen noch durch einen eklatanten Mangel an Esprit verschärfen.

Man sagt mir gelegentlich, ich sei zu „kopflastig“, würde den Verstand lieber gebrauchen, als meinen Gefühlen nachzugehen. Das anzunehmen ist eine cartesianische Schlamperei. Mumpitz. Als wäre es möglich, selbst zu entscheiden, ob man nun bloß dem Verstand oder den Emotionen folgen wolle.

Das sind Ausflüchte, um sich dem nicht stellen zu müssen, was beide Anteile unserer kognitiven Ausstattung gemeinsam beschlossen haben. Ich bin der Auffassung, die so beschriebene Trennung ist überhaupt nicht möglich.

Um eine grobe Metapher zu verwenden, das wäre so töricht wie die Annahme, jemandes Auto könne noch fahren, nachdem entschieden wurde, entweder nur den Motor oder nur das Getriebe nutzen zu wollen.

Ich meine dagegen, unsere kognitive Ausstattung ist ein „Aggregat“, in dem alle beteiligten Instanzen permanent zusammenwirken. Genau das ergibt unsere Entscheidungsgrundlagen. Ich kann also gar nicht entweder per Ratio oder per Emotion meine Interessen verfolgen.

Aber ich weiß, daß dabei auch Instanzen mitarbeiten, die sich meiner bewußten Betrachtung entziehen. Ich halte Körper, Geist und Seele für untrennbar verbunden und in ständiger Wechselwirkung. Manchmal ziehe ich es also vor, einen Tag weitgehend schweigend zu verbringen, um das Wirken meiner internen Abteilungen nicht abzulenken. Dann kann ich mich selbst besser hören.


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