1. Jänner 2026
Markierungen
Es fühlt sich manchmal so an, als könnte ich im Trubel
all der Ereignisse verlorengehen. Das finde ich nicht
beunruhigend. Mir scheint eher, es ist ein angemessener
Zustand, denn was uns derzeit alles bewegt, ist recht
komplex und wenig überschaubar.
Ich muß nicht immer
wissen, wo und woran ich gerade bin, weil solche Klarheit
nur Chimäre sein könnte. Es braucht aber Strategien. Wenn
man etwa als kleines Kind in einem großen Kaufhaus verloren
gegangen ist, folgte dem, daß man gesucht und irgendwo
rausgezogen wird.

Das kommt in einem Erwachsenenleben eher nicht vor.
Also nützen mir Markierungen. Varianten dessen, was
die kluge Ariadne mit ihrem Faden gelöst hat, um
nicht verloren zu gehen. Ich setze dann zum Beispiel
zwei solche Marken. Oben der letzte Sonnenuntergang
des Jahres 2025. Unten der erste Sonnenaufgang des
Jahres 2026.
Es könnten natürlich beliebige
Fotos sein, aber sie stammen tatsächlich von den
Momenten, als ich daran gedacht habe. Das sind die
Markierungen. Und gut ist es. Den Rest muß ich
ohnehin stets neu selbst schaffen. Nichts wurde
versprochen. Alles könnte gelingen. Mehr habe ich im
Augenblick nicht.

Das läßt sich auch keinem Neujahrsvorsatz
gleichzusetzen. Der Vorsatz. Bloß ein Momentchen in
diesen inneren Vorgängen, die eventuell zu
Handlungen werden. Der Vorsatz ist ein geistiger
Wichtigtuer. Er ist Teil jenes feuernden
Neuronenensembles, das eine Handlung einleitet. Von
Belang ist dann das Ganze, wenn es eine erste
Strecke darin zeigt sich zu ereignen. Ganz ohne Pose
und Geschwätzigkeit. Machen. Ohne Ankündigungen.
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