Das ist eine Zeit voller interessanter Fragen. Eine
beeindruckende Krise von globalem Ausmaß, die einen
hinreißen könnte, in Ömpörung auszubrechen. Ich gebe
gar nichts auf solche Posen, wie sie sich etwa in
den Social Media entfalten, daß es scheppert.
Mir hat sehr gefallen, wie Historiker
Christopher Clark höchst unaufgeregt von einer
Zeitenwende sprach, seine Kriterien und seine Gründe
nannte. Wer sich dagegen bloß aufplustert und
anderen zubrüllt, was sie nun tun sollten, rutscht
für mich in die Kategorie der Pubertierenden.

Der Winter ist heuer keine
Herausforderung.
Mit 13 hatte ich ein klares Gefühl, was Leute um
mich herum in ihrem Verhalten umstellen sollten,
damit ich mich wohler fühle. Ich bin nun im 70.
Jahr. Da sollte geklärt sein, wofür ich selbst
zuständig bin, wofür ich Verantwortung übernehmen
kann, und was in anderen Zusammenhängen stattfindet,
auf die ich individuell keinen Zugriff habe.
Es bleibt einem dann immer noch, sich als Teil einer
Gemeinschaft zu erleben, die im besten Fall eine
andere Wirkmächtigkeit hat als ein Individuum. Zur
unaufgeregten Weltsicht von Christopher Clark nehme
ich noch einen Gedanken von Schriftstellerin Toni
Morrison, um meine Position zu unterstreichen.
Zitat:
„This is precisely the time when artists
go to work—not when everything is fine, but in times
of dread. That’s our job!” [
Quelle]
+)
Mathias Petermann: "Synthetics"