Bei dem Lärm stört es mich dann wenigstens nicht,
daß gegen sechs Uhr morgens ein Nachbar seinen
Automotor im Stand warmlaufen läßt, was im Innenhof
von den Wänden ganz gut verstärkt wird.
(Individuellen Komfort gibt es eben nicht gratis.)
Die Jahreswende birgt für meinen Alltag keine
besondere Bedeutung, denn meine Angelegenheiten
haben ihren Lauf der Dinge. Das ereignet sich
unabhängig von solchen Markierungen. Aber zugegeben,
derlei Rituale ergeben mitunter eine Verdichtung von
Annehmlichkeiten.

So hatte ich - dank einer freundlichen Einladung -
am 31. Dezember das beste Essen des Jahres, dem erst
kürzlich, ebenfalls aufgrund einer Einladung, ein
annähernd gleich feines Mahl vorangegangen war,
welches von einem sensationellen Kaiserschmarrn
gekrönt wurde.
Außerdem durfte ich eben erst
eine Halle betreten, in der einige sehr exklusive
Automobile stehen. Dabei welche, die über hundert
Jahre alt sind. Anschauungsunterricht, wie radikal
unsere Zeit ist, da ich in meinen bisher 70 Jahren
drei industrielle Revolutionen erlebt habe. Das
handelt von Veränderungsschüben in unserer
Gesellschaft, die wir kaum bewältigen.

Dazu kommen sicherheits- und weltpolitische
Kräftespiele, die ich als markant und bedrohlich
empfinde. Wo finde ich da Handlungsspielraum, um
mich nicht ohnmächtig fühlen zu müssen? Na, im
Gemeinwesen. Genau da, wo ich lebe.
Was
Demokratie sei, muß ja stets schon and der Basis
erprobt, praktiziert, geklärt werden. Für mich ist
dazu Wissens- und Kulturarbeit das passende Genre.
Sei es, was die kulturpolitische Krise der Stadt
Gleisdorf angeht, sei es unsere kollektive
Anstrengung mit der Kulturformation „Archipel“ zu
erkunden, wie die drei Sektoren Staat, Markt und
Zivilgesellschaft förderlich kooperieren können. Und
zwar, um über die partikularinteressen Einzelner
hinauszukommen.
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Archipel (Die Werkbank)
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Gleisdorf: Kulturpolitik