8. Jänner 2026

Markierungen und Rituale


Die Jahreswende hat für mich das Rituelle weitgehend verloren. Eine neue Jahreszahl ist mir aber wenigstens wie ein Meilenstein am Wegesrand, der im Rückblick bei der Orientierung nützlich sein kann. Mehr muß dieses 2026 für mich derweil nicht können.

Immerhin gefiel es mir, noch ein wenig Schnee zu erleben, auch wenn es derzeit bedeutet, daß der Parkplatz unter meinem Fenster zwischen vier und fünf Uhr morgens mit schwerem Gerät geräumt wird.


Bei dem Lärm stört es mich dann wenigstens nicht, daß gegen sechs Uhr morgens ein Nachbar seinen Automotor im Stand warmlaufen läßt, was im Innenhof von den Wänden ganz gut verstärkt wird. (Individuellen Komfort gibt es eben nicht gratis.)

Die Jahreswende birgt für meinen Alltag keine besondere Bedeutung, denn meine Angelegenheiten haben ihren Lauf der Dinge. Das ereignet sich unabhängig von solchen Markierungen. Aber zugegeben, derlei Rituale ergeben mitunter eine Verdichtung von Annehmlichkeiten.


So hatte ich - dank einer freundlichen Einladung - am 31. Dezember das beste Essen des Jahres, dem erst kürzlich, ebenfalls aufgrund einer Einladung, ein annähernd gleich feines Mahl vorangegangen war, welches von einem sensationellen Kaiserschmarrn gekrönt wurde.

Außerdem durfte ich eben erst eine Halle betreten, in der einige sehr exklusive Automobile stehen. Dabei welche, die über hundert Jahre alt sind. Anschauungsunterricht, wie radikal unsere Zeit ist, da ich in meinen bisher 70 Jahren drei industrielle Revolutionen erlebt habe. Das handelt von Veränderungsschüben in unserer Gesellschaft, die wir kaum bewältigen.


Dazu kommen sicherheits- und weltpolitische Kräftespiele, die ich als markant und bedrohlich empfinde. Wo finde ich da Handlungsspielraum, um mich nicht ohnmächtig fühlen zu müssen? Na, im Gemeinwesen. Genau da, wo ich lebe.

Was Demokratie sei, muß ja stets schon and der Basis erprobt, praktiziert, geklärt werden. Für mich ist dazu Wissens- und Kulturarbeit das passende Genre. Sei es, was die kulturpolitische Krise der Stadt Gleisdorf angeht, sei es unsere kollektive Anstrengung mit der Kulturformation „Archipel“ zu erkunden, wie die drei Sektoren Staat, Markt und Zivilgesellschaft förderlich kooperieren können. Und zwar, um über die partikularinteressen Einzelner hinauszukommen.

+) Archipel (Die Werkbank)
+) Gleisdorf: Kulturpolitik


[Kalender] [Reset]