17. Jänner 2026

Fakten und Filter


Ich kann mich nicht erinnern, daß ich je zuvor von so einer hohen Dichte schlechter Nachrichten geflutet worden wäre. Tag für Tag. Das mag einerseits an unserer Mediensituation liegen. Ich hab immer noch zu viele Kanäle offen.

Andrerseits ist ein Unfrieden in der Welt, dessen gewalttätige Anteile in ihrer Wirkung so nahe an mich herankommen, daß ich mir grade Gedanken mache, wie weit ich Filter hochfahren kann und muß. Ich bin nicht bereit, mir 24/7 Probleme reinzuziehen und Sorgen zu machen. Also: warm anziehen!


Es mißfällt mir auch, daß ich geradezu täglich die Fresse von Putin und Trump sehen soll. Dazu kommt so ein „Jaaberismus“. Man läßt sich zwar von diesen verhaltensoriginellen Männern beunruhigen, „Ja, aber…“

Das erinnert mich so sehr an meine Leute, wenn sich Hitler-Nostalgiker zu allerhand Themen mit diesem „Ja aber…“ hervortaten. Ich weiß freilich, was da wirkt. Eine Unfähigkeit, im Denken auf die Höhe der Zeit heraufzukriechen. Von dort aus ließe sich ein Status quo erkunden, ohne daß man dazu Tyrannen als Referenzgrößen benötigt.

Also zum Beispiel die Fragen der Menschenwürde und der Rechtsicherheit konsequent weiterdenken und dann entscheiden, wofür man selbst Verantwortung übernehmen möchte. In der Folge sollten wir unserem politischen Personal auf die Sprünge helfen, anstatt – wie manche es tun - etwa die Politik Österreichs oder der EU ständig zu bejammern, schlechtzureden, um dann an den Herren Putin oder Trump zu suchen, was diese Kanaillen „Ja, aber…“ gut machen.


„Gut“ in einem merkwürdigen Sinn. Dieses Abspalten ist ein Fehltritt. Es sollte umgekehrt laufen. Was immer jemand Gutes oder Nützliches getan hat, wird durch Schandtaten kontaminiert und völlig entwertet.

Wäre noch zu klären, ob sich weibliche Beispiele für derlei inferiores Verhalten auf so hohem Level finden lassen, mächtige Frauen, deren Tun jemand dann mit einem „Ja, aber…“ relativiert. Mir fällt kein Exempel ein. Ich habe den Verdacht, das Spielchen sei genuiner Ausdruck einer vorherrschenden Männerkultur, nämlich den Tyrannen zu beschönigen und sich ihm anzudienen. Es ist eine Strategie.

Wäre ferner nachzudenken, wie gebeugt, gebückt, womöglich verkrüppelt jemand emotional sein muß, um sich einen Putin oder Trump schönzureden. Ich tippe jedenfalls auf ungelöste Autoritätskonflikte.

+) Politik


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