20. Jänner 2026

Heimatliche Revolüzzer


Ich verstehe es ja. Der österreichische Regimekritiker, in voller Blüte seiner Emotionen, aber ohne persönliches Risiko für Leib und Leben, wird jene, über die er sich ömpört, eventuell ein wenig düsterer zeichnen als sie sind, damit er selbst einen rebellischeren Eindruck machen kann.

So geht Tradition. Wir hatten in Österreich noch nie ein Talent zur Revolution. Unseren Leuten gelang es nicht einmal, einen derart untauglichen Regenten wie Kaiser Franz Josef I. abzuschütteln. (Da mußte der das Haus Österreich schon selbst im Großen Krieg versenken.)



Der kuschelige steirische Revolüzzer mit Seifenblasen-Knarre.

Es erscheint mir heute nicht besonders smart, dieses westliche geprägte Europa mit seiner jungen demokratischen Geschichte rechte generell schlechtzureden, wie ich das schon eine Weile erlebe. Ohne Zweifel muten uns diverse Regierungen (und speziell die EU) allerhand Mängel zu, die sich nicht verbergen lassen.

Von Mißwirtschaft über Packeleien bis zu Korruption ist vieles evident. Aber ich halte es für billig, sich bloß zu ömpören, denn das kann jeder Depp. Wir haben eine Menge Möglichkeiten, dagegen aktiv zu werden, ohne daß unsereins nachts von einem Rollkommando abgeholt und aus der Welt geschafft wird. (Das sieht derzeit in Rußland oder in den USA etwas anders aus.)

Also was? Ich meine, Kritik sollte begründet, statt bloß verkündet werden. Botschaften wie „Die Welt is oarsch“ sind völlig nutzlos. Wie wäre es dagegen, wenn Sie sich zu diesem oder jenem Thema sachkundig machen würden? Wenn Ihnen nach Kritik ist, könnten Sie diese sehr konkret vorbringen. Also kein allgemeines Gewäsch und Geschimpfe, sondern präzise Aussagen.

Und dann am besten zum Auftakt einmal dort, wo man lebt, um es an jene zu adressieren, welche lokal/regional zuständig und verantwortlich sind. Ja, ich weiß, das macht Arbeit. Das braucht Mumm. (Sollte man freilich haben, falls man Kritik üben möchte.)



Ich biete ab sofort preiswerte Privatmythologien an.

Ich nenne ein einfaches Beispiel, bei dem niemand Leib und Leben riskiert. Das offizielle Gleisdorf hat kulturpolitisch einen sensationellen Scherbenhaufen produziert. Das haben nun nicht bloß Politik und Verwaltung in Ordnung zu bringen. Dabei sollten auch die primären Kräfte den eigenen Anteil an der Misere kritisch prüfen und Ideen entwickeln, wie sich Auswege bauen lassen.

Mit den primären Kräften meine ich Kunst- und Kulturschaffende, die kulturpolitische Erwartungen haben, Ansprüche, mich aber im Unklaren lassen, wofür und wie sie selbst in all dem Verantwortung übernehmen möchten.

Einmal dürfen Sie raten, was bisher geschah! Ab Mitte November 2025 konnte einem dämmern: da braut sich was zusammen. (Seit Corona mußte man wissen: es werden Probleme auf den Kulturbereich zukommen.) Nun ist die Jänner-Mitte 2026 schon überschritten.

Ich hab von der Basis des „Kulturpakt Gleisdorf“ bis heute keine einzige Stimme vernommen, die irgendwie mit irgendwas auf irgendeinen konkreten Punkt kommt. (Kulturreferent Karl Bauer ausgenommen, der demnächst ein Konzept vorlegen wird.)

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