
Wenn mich dabei nun etwas besonders berührt,
womöglich entsetzt, aber ich fühle mich nicht bloß
unglücklich, sondern machtlos, denn ich kann ja nicht
mit praktischer Handlung darauf reagieren, denn entlädt
sich in mir all meine Ömpörung eventuell so:
„Warum
tut denn niemand was? Warum sehen alle bloß zu?“
(Was man ja selbst gerade auch tut: bloß zusehen.)
Na, was weiß ich denn, wer alles in den USA, in
Syrien, in Persien, im entlegensten Winkel Chinas oder
Indiens, egal wo nun womit worauf reagiert? Das kann ich
nicht wissen. Aber mein kleines Sichtfeld läßt mich
annehmen: „Niemand tut was!“ Wie ja ich auch, außer via
Facebook oder sonst wo derlei Meldungen raushauen. Aber
wenn ich schon nichts zu tun vermag, sollen wenigstens
andere Leute schuld sein nichts getan zu haben.

Das KZ Mauthausen Foto: Dnalor 01,
CC BY-SA 3.0 AT)
Übrigens! Heute, am 27. Januar, ist der
„Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des
Holocaust“. Das bedarf individuell keiner großen Geste.
Man kann sich im Gedenken daran jederzeit der
Menschenwürde verpflichtet fühlen. Man kann im Alltag
dafür sorgen, daß im eigenen Umfeld keine
Geringschätzigkeit oder Abwertung von Menschen ohne
Einwand bleibt.
Man kann sich jederzeit in ganz
banalen Situationen gegen offenkundige Lügen, gegen
Diffamierungen oder gegen unangemessene Beschönigungen
aussprechen. Es läßt sich viel dagegen tun, daß die
Menschenverachtung sich wo einnisten kann.
Oder
man drückt sich davor und verausgabt sich darin, andere
Leute – irgendwen, irgendwo - anzuprangern, vielleicht
ganz unbestimmt irgendwelchen Personengruppen
Untätigkeit vorzuwerfen:
„Wo bleibt denn jetzt der
Protest von…“ Na klar! Dieses
„Du sollst…!“
ist sehr viel billiger als ein
„Ich werde…“,
die praktische Moraltrompeterei erspart Kräfte.
+)
Politik