
...dagegen war Al Capone ein
Lehrbub.
Ich bin fast schon verstört, in welchem globalen
Ausmaß es ihm und seiner Clique gelungen ist, Menschen
von Rang, Menschen mit Möglichkeiten, in seine
Malversationen zu verstricken. Dagegen war Al Capone ein
Lehrbub.
Was hilft es, mir all das möglichst
laufend reinzupfeifen und mich darüber aufzuregen?
Nichts! Aber es erinnert mich daran, wir sehr wir
gefordert sind, den politischen Kräften etwas
abzuverlangen. Und zwar genau da, wo man lebt. Das
beginnt bei der Lokalpolitik.
Was ich
meine?Ich will von politischen Kräften
nicht durch Schönrederei benebelt werden, sondern
Klartext hören. Ich will jene Art von Redlichkeit
erfahren, die sich ergibt, wenn jemand zwischen dem
eigenen Denken, dem Reden und dem Tun für ein
Fließgleichgewicht sorgt. Ich brauche keine Helden und
keine Heiligen, sondern redliche Leute, seriöse
Verwalterinnen und Verwalter des Gemeinwesens.
Ich will bei Politik und Verwaltung auf Sachkenntnis
stoßen. Als Beispiel: Da ich mein Handwerk beherrsche,
bemerke ich ja spätestens nach drei Minuten des
Gesprächs, ob jemand von meinem Metier eine Ahnung hat,
oder da bloß a) Ressourcen abgreifen und b)
Sozialprestige aufbügeln möchte.
Ich nehme es
persönlich, falls dabei jemand a) meine Intelligenz
beleidigt und b) ohne gutes Fundament meint, im
Kulturbereich etwas besser zu wissen, als wir, die
primären Kräfte. Und zwar jene primären Kräfte, die
nicht gesellig herumgaukeln, sondern seriös arbeiten.
Im Kulturbereich sind Sachpromotor und Machtpromotor
eher nicht in Personalunion anzutreffen. Da geht es dann
um gelingende Kommunikation und um faire Kooperation.
Kooperation ist nur dann gegeben, wenn alle im Team die
Bedürfnisse und berechtigten Ansprüche aller Beteiligten
a) kennen und b) wenigstens beachten.
Hier also,
auf meinen zwei Fußbreit Boden, beginnt politische
Verantwortung, deren Praxis geübt werden muß. Unsere
Demokratie ist noch jung. Wir haben erst wenig an
Erfahrungen gesammelt. Ich mache es gerne so
anschaulich: Mein Opa Richard war ein Soldat des
Kaisers. Mein Vater Hubert war ein Soldat des Diktators.
Ich war ein Soldat der Republik. Uns bleibt noch viel
Arbeit, die Sache der Res publica in der Praxis zu
verfeinern.
+)
Gleisdorf: Kulturpolitik