5. Februar 2026

Ruhe bewahren!

Vor einigen Jahren hab ich mich daran gestoßen, daß ich über diverse Medienkanäle permanent die Fresse des „babyfaced billionaire“ sehen muß. Diese grinsende Buberl-Visage, mit der mir kaufend „Großtaten“ verkündet wurden. Ich kann ja bloß Kanäle und Absender blockieren, aber keine Bilder wegfiltern.

Inzwischen ist Elon Musk von einigen anderen Köpfen übertroffen worden, von Leuten, deren Anmaßung und Gewissenlosigkeit gleichermaßen grenzenlos zu sein scheint. Außerdem übersteigt es meine Auffassungsgabe, Nachrichten zu lesen, die mir verdeutlichen, wie enorm zum Beispiel die Reichweite und die Brutalität dieses Jeffrey Epstein war.



...dagegen war Al Capone ein Lehrbub.


Ich bin fast schon verstört, in welchem globalen Ausmaß es ihm und seiner Clique gelungen ist, Menschen von Rang, Menschen mit Möglichkeiten, in seine Malversationen zu verstricken. Dagegen war Al Capone ein Lehrbub.

Was hilft es, mir all das möglichst laufend reinzupfeifen und mich darüber aufzuregen? Nichts! Aber es erinnert mich daran, wir sehr wir gefordert sind, den politischen Kräften etwas abzuverlangen. Und zwar genau da, wo man lebt. Das beginnt bei der Lokalpolitik.

Was ich meine?
Ich will von politischen Kräften nicht durch Schönrederei benebelt werden, sondern Klartext hören. Ich will jene Art von Redlichkeit erfahren, die sich ergibt, wenn jemand zwischen dem eigenen Denken, dem Reden und dem Tun für ein Fließgleichgewicht sorgt. Ich brauche keine Helden und keine Heiligen, sondern redliche Leute, seriöse Verwalterinnen und Verwalter des Gemeinwesens.

Ich will bei Politik und Verwaltung auf Sachkenntnis stoßen. Als Beispiel: Da ich mein Handwerk beherrsche, bemerke ich ja spätestens nach drei Minuten des Gesprächs, ob jemand von meinem Metier eine Ahnung hat, oder da bloß a) Ressourcen abgreifen und b) Sozialprestige aufbügeln möchte.

Ich nehme es persönlich, falls dabei jemand a) meine Intelligenz beleidigt und b) ohne gutes Fundament meint, im Kulturbereich etwas besser zu wissen, als wir, die primären Kräfte. Und zwar jene primären Kräfte, die nicht gesellig herumgaukeln, sondern seriös arbeiten.

Im Kulturbereich sind Sachpromotor und Machtpromotor eher nicht in Personalunion anzutreffen. Da geht es dann um gelingende Kommunikation und um faire Kooperation. Kooperation ist nur dann gegeben, wenn alle im Team die Bedürfnisse und berechtigten Ansprüche aller Beteiligten a) kennen und b) wenigstens beachten.

Hier also, auf meinen zwei Fußbreit Boden, beginnt politische Verantwortung, deren Praxis geübt werden muß. Unsere Demokratie ist noch jung. Wir haben erst wenig an Erfahrungen gesammelt. Ich mache es gerne so anschaulich: Mein Opa Richard war ein Soldat des Kaisers. Mein Vater Hubert war ein Soldat des Diktators. Ich war ein Soldat der Republik. Uns bleibt noch viel Arbeit, die Sache der Res publica in der Praxis zu verfeinern.

+) Gleisdorf: Kulturpolitik


[Kalender] [Reset]