6. April 2026

Was lernen?

Es sieht nun sehr so aus, als habe der „Größte Feldherr aller Zeiten“ (vulgo GröFaZ) seinen Feldzug gegen den Iran in den Graben gefahren. Also durfte Randy George, Stabschef des US-Armee, in Pension gehen.

Es muß schließlich jemand daran schuld sein, wenn „the most powerful, most lethal, most sophisticated and most fearsome force on earth“ diesen völkerrechtswidrigen Schlag gegen einen Staat versemmelt und der Regimewechsel sich dort einfach nicht ereignen will.


Die Straße von Hormuz, eine Wirtschaftsroute von internationaler Bedeutung, hatte der GröFaZ bei seinen genialen Kriegsplänen offenbar strategisch und taktisch gleichermaßen übersehen oder unterschätzt. Da hilft nun offenbar auch das nicht: „We have rebuilt our army. We have the strongest army in the world, and we produce the best military equipment in the world.“

So wäre zwar einmal mehr geklärt, wer heute „den Längeren“ hat, aber es nützt wenug und richtet enormen Schaden an, den anschließend Generationen abtragen müssen. Derweil lassen mich Leute, die bezüglich Iran offenbar eine Ahnung haben, zweierlei wissen lassen. Das Mullah-Regime scheint nicht erschüttert zu sein, während der Krieg eine Kulisse bietet, hinter der in iranischen Gefängnissen ein Massenmorden begonnen hat.



(Quelle: Tagesspiegel)

Nebenbei ging sich für den vorherigen Regierungs-Chef Ajatollah Ali Khamenei der Märtyrer-Tod aus, was dem Mullah-Regime propagandistisch sicher nützt. Wenn ich dann lese, daß unter meinen Leute welche seufzen, „die Menschen“ würden „aus der Geschichte nichts lernen“, frage ich: welche „die Menschen“? Und was genau gäbe es da zu lernen, was wir nicht schon wissen?

Noch rührender finde ich jene, die all das Grauen für einen Mangel an „Erwachtsein“ halten, die von einer „alten Matrix“ zu erzählen wissen, in der weite Teile der Menschheit befangen seien. Solches Geraune erspart einem zweierlei. Man muß sich mit dem Phänomen menschlicher Begehrlichkeiten nicht weiter auseinandersetzen und man braucht selbst keine Verantwortung für all das zu übernehmen.



(Quelle: Die Presse)

Verantwortung?
Im Sinn von: Was kann ich selbst da, wo ich stehe, konkret tun, daß Mitmenschen nicht als Ressourcen verbraucht werden und daß politische Verhältnisse zugunsten der Menschenwürde stabil bleiben? Aber auch: Wie bleibe ich ein Zeuge dessen, was der Fall ist, statt mich den Propagandisten anzuschließen, die für eigennützige Lobbyarbeit Legenden verbreiten?

Mindestens in meiner Umgebung sollte seit dem gut dokumentierten Eichmann-Prozeß ziemlich klar sein, wie sich Eigennutz den Tyrannen sehr eifrig andienen kann, um Karriere zu machen. Wer es sich verbessern möchte und dabei das Unglück anderer in Kauf nimmt, geht mitunter ziemlich weit.


Ich denke, es war der Soziologe Gunnar Heinsohn, von dem mir diese Frage in Erinnerung blieb: „Wo nehmen die Tyrannen all das Personal zum Morden her?“ Aber wir wissen das. Es sind vielfach recht brave, unscheinbare Leute ohne besondere Eigenschaften, die für gute Gründe empfänglich werden.

Gute Gründe, weshalb man Mitmenschen zu Gegenmenschen und schließlich zu Nichtmenschen erklären kann. Dann wird sich so jemand - gemäß den eigenen Talenten - da oder dort einreihen. Eher in der Verwaltung, eher in der Propagandabteilung, eher im Transportwesen, eher bei bewaffneten Verbänden. Aus der Geschichte haben wir all das schon gelernt. Fragt sich, in welchem Lager man steht.

+) Politik


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