Das ist so ein fixer Standard: Wenn ich die Gräser
und Stauden wieder spüren will. Heuer bin ich damit
sowieso spät dran. Die Erinnerungsmaschine im
Facebook hat mir gezeigt, daß ich früher um die Zeit
längst im Gestrüpp gewesen bin.

Meine Bergschuhe sind sowieso ganzjährig in
Verwendung. Sommers freilich nur, wenn ich durchs
Gehackte streife, sonst aber als Standard. Derzeit
sind da noch einige physische Barrieren einzuebnen.
Ich weiß grade nicht, ob ich zu lange zu viel im
Büro war, oder ob das mein Alter ist. (Genau! Nun
70.)
Egal! Das derzeit einfache Kriterium:
Ich gehe so lange, bis ein feines Bächlein Schweiß
über meine Stirn runterrinnt. Nein, das war dann
noch keine besondere Strecken-Leistung, bloß Gehen.
Das Rinnsal stellt sich derzeit nach etwa eineinhalb
bis zwei Stunden ein.

Ich schätze Wege durchs Gestrüpp, aber auch durch
städtische Landschaften, vorzugsweise Baustellen.
Das sind dann mitunter gewissermaßen vertikale
Landstriche. Runter in die Keller, rauf auf Dächer.
Stets neue Blickwinkel auf die Stadt; auch von
draußen her, von den Feldern aus.
Unterwegs
natürlich diese peripatetischen Momente. Das
Nachdenken unterm Gehen. Ein aristotelischer Modus.
Ich mag derlei ungeplantes Flackern zwischen
intendiertem Nachdenken und spontanen Eindrücken von
außen, die einem den Fokus prompt verstellen.

Außerdem ist mein Faible fürs Gehackte ein Segen.
Die Evolution hat nämlich versäumt, mir für
forciertes Grübeln eine gute körperliche
Konstitution zu verschaffen. Dabei fordert das
Denken einen sehr erheblichen Energieumsatz. Also
muß ich eben raus, bis mir der Schweiß von der Stirn
rinnt. Und es macht mir - zu meinem Glück -
Vergnügen.
+)
Matrix der Gewässer (Kunst Ost)+)
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