Dagegen ist mir der Klang von Lakota schon lange aus
Spielfilmen vertraut. Dafür weiß ich erst seit
einiger Zeit, wie die Sprache der Navajo klingt. Ich
hatte übrigens angenommen, das sei ihre
Eigenbezeichnung. Falsch! Sie nennen sich selbst
Diné, daher ihre Sprache Diné bizaad.
Möchte
ich jemandem auf die Art „Denk nach!“ sagen, wird
das „náhást’é!“. Dazu fällt mir natürlich das
indische „Namaste“ ein, mit dem bei uns gerne in
spirituellen Kreisen begrüßt wird. „Námas“ ist das
Sanskrit-Wort für Verbeugung, „te“ steht für „dir“,
voilà! Da haben wir’s!
In Japan hätten wir es
jetzt noch nicht. Da kennt man beim korrekten
Verbeugen (Ojigi) drei Versionen: Eshaku (15 Grad),
Keirei (30 Grad) und Saikeirei (45 Grad). Aber
zurück zu den Diné. Wenn die sich begrüßen, klingt
das für mich wie „Ya teh!“. Falls man es
aufschreibt, sieht es aber so aus: „yá'át'ééh“. Das
wird mit „Es ist gut“ übersetzt. (Um mit all diesen
Nuancen klarzukommen, verfaßt die Wissenschaft
sogenannte Soundprofile.)

Ich staune, wenn Leute aus der Filmbranche davon
erzählen, daß ihnen mitunter ein Sprach-Coach
zugeteilt wird, um ihnen einen persönlichen Tonfall,
einen regionalen Slang auszutreiben. Wir klingen
eben, wie unsere Münder sich über Jahre bewegen, um
Laute zu formen.
Dazu hab ich mir in letzter
Zeit gerne Xhosa angehört, wenn sie reihum vor die
Kamera treten und bloß ihre Namen sagen. Deren
Bantusprache hat Klicklaute. Überdies verändert sich
die Bedeutung von Worten durch die Tonhöhe. Klingt
außerirdisch.

Durch allerhand Filme scheint mir auch Te Reo Māori
im Klang recht vertraut. Mit Menschen aus Polynesien
habe ich praktisch nie persönlich zu tun. Das
verhält sich mit Romanes, mit Romani oder Romani
čhib, ganz anders. Die Sprache der Roma und Sinti
kommt wenigstens in etlichen musikalischen Sektoren
sehr deutlich vor. (Klopfen Sie „Djelem, djelem“
oder „Ederlezi“ in eine Suchmaschine!)
Das zu
verstehen ist dann was ganz anderes. Also wenigstens
nicht „der Roma“ zu sagen, sondern der Rom und die
Romni. (Wahlweise der Sinto und die Sintizza.) Naja,
das sind eben so meine Flausen. Sprache und Klang.

Ich muß die Worte noch gar nicht verstehen, da
bieten sie mir dennoch etwas an Mitteilungen an.
Vielleicht liegt darin, im Sprachklang, eine
Verwandtschaft zur Musik. Die teilt uns ja auch
etwas mit, das nicht in Worte zu fassen ist.
Ein Lyriker, dem Sprachklang nichts bedeutet, käme
mir sehr merkwürdig vor. Davon gibt es freilich in
der Tat ganze Rudel, wie mir so manche Lyrik-Strecke
in den Social Media klargemacht hat.