21. April 2026

Náhást’é!


Ich mag die Formulierung „First Nations“ für jene Menschen, welche in den beiden Amerikas gelebt haben, bevor nach Columbus europäische Leute ankamen. Dazu suche ich immer wieder Gelegenheiten, etwas von den Sprachen zu hören, die dort teils heute noch gesprochen werden.

Manches davon kommt in Spielfilmen vor, andere Klänge muß ich im Web finden. Etwa Nahuatl. Was heute als Ethnie der Nahua gedeutet wird, waren zum Teil einst etwa die Azteken von Tenochtitlan, die von sich selbst als „Mexica“ gesprochen haben, was nach „Meschika“ klingt; die Betonung auf dem i.


Dagegen ist mir der Klang von Lakota schon lange aus Spielfilmen vertraut. Dafür weiß ich erst seit einiger Zeit, wie die Sprache der Navajo klingt. Ich hatte übrigens angenommen, das sei ihre Eigenbezeichnung. Falsch! Sie nennen sich selbst Diné, daher ihre Sprache Diné bizaad.

Möchte ich jemandem auf die Art „Denk nach!“ sagen, wird das „náhást’é!“. Dazu fällt mir natürlich das indische „Namaste“ ein, mit dem bei uns gerne in spirituellen Kreisen begrüßt wird. „Námas“ ist das Sanskrit-Wort für Verbeugung, „te“ steht für „dir“, voilà! Da haben wir’s!

In Japan hätten wir es jetzt noch nicht. Da kennt man beim korrekten Verbeugen (Ojigi) drei Versionen: Eshaku (15 Grad), Keirei (30 Grad) und Saikeirei (45 Grad). Aber zurück zu den Diné. Wenn die sich begrüßen, klingt das für mich wie „Ya teh!“. Falls man es aufschreibt, sieht es aber so aus: „yá'át'ééh“. Das wird mit „Es ist gut“ übersetzt. (Um mit all diesen Nuancen klarzukommen, verfaßt die Wissenschaft sogenannte Soundprofile.)


Ich staune, wenn Leute aus der Filmbranche davon erzählen, daß ihnen mitunter ein Sprach-Coach zugeteilt wird, um ihnen einen persönlichen Tonfall, einen regionalen Slang auszutreiben. Wir klingen eben, wie unsere Münder sich über Jahre bewegen, um Laute zu formen.

Dazu hab ich mir in letzter Zeit gerne Xhosa angehört, wenn sie reihum vor die Kamera treten und bloß ihre Namen sagen. Deren Bantusprache hat Klicklaute. Überdies verändert sich die Bedeutung von Worten durch die Tonhöhe. Klingt außerirdisch.

Durch allerhand Filme scheint mir auch Te Reo Māori im Klang recht vertraut. Mit Menschen aus Polynesien habe ich praktisch nie persönlich zu tun. Das verhält sich mit Romanes, mit Romani oder Romani čhib, ganz anders. Die Sprache der Roma und Sinti kommt wenigstens in etlichen musikalischen Sektoren sehr deutlich vor. (Klopfen Sie „Djelem, djelem“ oder „Ederlezi“ in eine Suchmaschine!)

Das zu verstehen ist dann was ganz anderes. Also wenigstens nicht „der Roma“ zu sagen, sondern der Rom und die Romni. (Wahlweise der Sinto und die Sintizza.) Naja, das sind eben so meine Flausen. Sprache und Klang.


Ich muß die Worte noch gar nicht verstehen, da bieten sie mir dennoch etwas an Mitteilungen an. Vielleicht liegt darin, im Sprachklang, eine Verwandtschaft zur Musik. Die teilt uns ja auch etwas mit, das nicht in Worte zu fassen ist.

Ein Lyriker, dem Sprachklang nichts bedeutet, käme mir sehr merkwürdig vor. Davon gibt es freilich in der Tat ganze Rudel, wie mir so manche Lyrik-Strecke in den Social Media klargemacht hat.


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