Zu Pfingsten ist diese Situation gekippt. In drei
Tagen von arschkalt zu einem Hauch von Sonnenbrand.
Denn bis Freitag hatte ich im Büro noch meinen
Pullover und Wollsocken gebraucht, um den Tag zu
beginnen.
Nun liegt dieser ganz andere Geruch
in der Luft, der sich breit macht, wenn alles
erwärmt ist. Und es hockt eine erstaunliche Stille
auf der Stadt. (Vermutlich sind unzählige Leute
abgehauen, um das lange Wochenende auszukosten.)

Ich aber bin raus ins Gestrüpp. Die Brennnesseln
sind noch schwach. Der Fluß ist langsam. Zwischen
den Gräsern tun sich einzelne Pflanzen mit starken
Farben hervor. Ich empfinde bei manchen Bäumen ein
Wiedersehen wie mit Wesen, denen ich länger nicht
begegnet bin.
Im vergangenen Jahr hab ich
meinem Körper zu wenig abverlangt. Im ersten Quartal
des heurigen war ich sowieso fast nur an die
Ruderbank meiner demokratischen Galeere gekettet.
(Das ist mein Büro!)

Im Gehen spüre ich so langsam, wie sich mein Zustand
verändert. Ich bin unter der hohen Sonne
leichtsinnig. Das wird sich schnell legen, weil mir
vor allem die letzten zehn Jahre sehr viel von
meiner noch verbliebenen Belastbarkeit runtergeräumt
haben.
Nein, keine Klage! Ein Anerkennen des
moderaten Preises für bisher 70 Jahre robuster
Körperlichkeit, der ich weit mehr abverlangt habe,
als es Menschen bei uns gewöhnlich tun. Morgen werde
ich mehr im Schatten bleiben und mich tags darauf
nach einer passenden Kopfbedeckung umsehen.

Da fällt mir wieder Jim
Peppers Song „Witchi tai to“ein, wo es an einer
Stelle heißt: „Water spirit feelin' / Springin'
round my head / Makes me feel glad / That I'm not
dead“.