24. Mai 2026

Draußen im Gestrüpp

Eben hatte ich noch den Eindruck, dieser Mai wäre lieber ein April. Keinen Tag war ich im passenden Gewand außer Haus. Zu warm, zu kalt, aber wenigstens einmal in der kürzeren Hose.


Zu Pfingsten ist diese Situation gekippt. In drei Tagen von arschkalt zu einem Hauch von Sonnenbrand. Denn bis Freitag hatte ich im Büro noch meinen Pullover und Wollsocken gebraucht, um den Tag zu beginnen.

Nun liegt dieser ganz andere Geruch in der Luft, der sich breit macht, wenn alles erwärmt ist. Und es hockt eine erstaunliche Stille auf der Stadt. (Vermutlich sind unzählige Leute abgehauen, um das lange Wochenende auszukosten.)


Ich aber bin raus ins Gestrüpp. Die Brennnesseln sind noch schwach. Der Fluß ist langsam. Zwischen den Gräsern tun sich einzelne Pflanzen mit starken Farben hervor. Ich empfinde bei manchen Bäumen ein Wiedersehen wie mit Wesen, denen ich länger nicht begegnet bin.

Im vergangenen Jahr hab ich meinem Körper zu wenig abverlangt. Im ersten Quartal des heurigen war ich sowieso fast nur an die Ruderbank meiner demokratischen Galeere gekettet. (Das ist mein Büro!)


Im Gehen spüre ich so langsam, wie sich mein Zustand verändert. Ich bin unter der hohen Sonne leichtsinnig. Das wird sich schnell legen, weil mir vor allem die letzten zehn Jahre sehr viel von meiner noch verbliebenen Belastbarkeit runtergeräumt haben.

Nein, keine Klage! Ein Anerkennen des moderaten Preises für bisher 70 Jahre robuster Körperlichkeit, der ich weit mehr abverlangt habe, als es Menschen bei uns gewöhnlich tun. Morgen werde ich mehr im Schatten bleiben und mich tags darauf nach einer passenden Kopfbedeckung umsehen.


Da fällt mir wieder Jim Peppers Song „Witchi tai to“ein, wo es an einer Stelle heißt: „Water spirit feelin' / Springin' round my head / Makes me feel glad / That I'm not dead“.


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