13. Juni 2026

Drei Generationen

[Vorlauf] Etliche Boomers unter uns können sich vermutlich erinnern. Anfang der 1980er Jahre sang Ina Deter unüberhörbar: „Ich sprüh's auf jede Wand / Neue Männer braucht das Land“. Das wurde so wohl nichts. Ich hab jedenfalls keine gesehen.

Wie sich ein Dampfer kaum in die Kurve legt, ändert sich diese vorherrschende Männerkultur eben nur sehr zäh an einigen Ecken. Ich halte mich selbst bestenfalls für einen reformierten Mann. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, daß mein Sohn ein markant anderer Mann ist als ich.

Daraus leitet sich zumindest die berechtigte Annahme her, daß in der darauffolgenden Generation durch Maximilian etwas Gestalt annehmen wird, was von all den Grobheiten und der Gewalttätigkeit, die ich kannte, unberührt blieb. Das läßt andere Kräftespiele zu.



Väterliche Ratschläge? Quatsch! Die Jungen machen das schon.

Wir sind weder die Sklaven unserer Gene, noch müssen wir Prägungen und Denkschemata einfach hinnehmen. Wir haben einige Freiheit, über Erfahrungen nachzudenken, daraus Schlüsse zu ziehen und Schritte zu erproben, die uns selbst ungewohnt, weil neu erscheinen. Nebenbei bemerkt: so geht Kultur.

Da dachte ich nun an meine Gespräche mit dem bosnischen Autor Dzevad Karahasan und hab in den Notizen nachgesehen. Zitat: „Die Kultur ist vor allem und mehr als alles eine Ausdehnung des menschlichen Wesens in der Zeit. Eine Auseinandersetzung des Menschen mit der Vergangenheit, mit der Gegenwart und mit der Zukunft.“

Das hat Karahasan dann folgendermaßen erläutert: „Kultur, das heißt glauben, das heißt Erde bearbeiten, das heißt die Toten begraben. Also Kultur ist unzertrennlich durch Zeit mit unserem Verhältnis zum Tod verbunden. Am wenigsten ist Kultur eine Kunst bequem zu wohnen. Oder bequem seinem Nächsten aus dem Wege zu gehen.“



Autor Dzevad Karahasan (†)

Da wir uns in einer umfassenden Zeitenwende befinden, will das alles neu bedacht werden. Ich saß eben mit meinen Leuten an einem Tisch, wissend, daß ich die kommende Welt, in der sie bestehen müssen, nicht kenne und nicht erleben werde.

Worum kann es dann gehen, wenn wir über’s Leben plaudern? Zum Beispiel um Ermutigung, was ihre Courage angeht, neue Möglichkeiten zu erkunden, wie nun ihr Leben für diese frische, empfindliche Gemeinschaft gelingen kann, dieses Trio, das sich auf dem Weg hinter den nächsten Horizont befindet.


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