Wir sind weder die Sklaven unserer Gene, noch müssen
wir Prägungen und Denkschemata einfach hinnehmen.
Wir haben einige Freiheit, über Erfahrungen
nachzudenken, daraus Schlüsse zu ziehen und Schritte
zu erproben, die uns selbst ungewohnt, weil neu
erscheinen. Nebenbei bemerkt: so geht Kultur.
Da dachte ich nun an meine Gespräche mit dem
bosnischen Autor Dzevad Karahasan und hab in den
Notizen nachgesehen. Zitat:
„Die Kultur ist vor
allem und mehr als alles eine Ausdehnung des
menschlichen Wesens in der Zeit. Eine
Auseinandersetzung des Menschen mit der
Vergangenheit, mit der Gegenwart und mit der
Zukunft.“Das hat Karahasan dann
folgendermaßen erläutert:
„Kultur, das heißt
glauben, das heißt Erde bearbeiten, das heißt die
Toten begraben. Also Kultur ist unzertrennlich durch
Zeit mit unserem Verhältnis zum Tod verbunden. Am
wenigsten ist Kultur eine Kunst bequem zu wohnen.
Oder bequem seinem Nächsten aus dem Wege zu gehen.“

Autor Dzevad Karahasan (†)
Da wir uns in einer umfassenden Zeitenwende
befinden, will das alles neu bedacht werden. Ich saß
eben mit meinen Leuten an einem Tisch, wissend, daß
ich die kommende Welt, in der sie bestehen müssen,
nicht kenne und nicht erleben werde.
Worum
kann es dann gehen, wenn wir über’s Leben plaudern?
Zum Beispiel um Ermutigung, was ihre Courage angeht,
neue Möglichkeiten zu erkunden, wie nun ihr Leben
für diese frische, empfindliche Gemeinschaft
gelingen kann, dieses Trio, das sich auf dem Weg
hinter den nächsten Horizont befindet.