14. Juni 2026

Das Flanieren

Eh klar! Wenn ich ins Gestrüpp gehe, habe ich mit der Natur ein sehr physisches Einvernehmen. Das führt dann eben auch zu solchen Momenten. Wäre ich gerade unter Aufsicht einer buddhistischen Nonne, wie ich das schon einmal erlebt habe, würde sie nun vermutlich lächeln und vielleicht folgendes sagen:

„Wenn du Wasser holst, dann hol Wasser. Wenn du Geschirr wäscht, dann wasche Geschirr. Wenn du den Boden kehrst, dann kehr den Boden. Bleib mit deiner Aufmerksamkeit bei dem, was du grade tust.“

Sie sehen, ich wüßte ja, wie es laufen sollte. Konjunktiv! Und dann sind da diese anderen Instanzen in mir. Meine Brust ist wie ein Amtsgebäude, in dem verschiedene Abteilungen tun, was ihnen grade beliebt, was man dort interessant findet, ohne zu beachten, wie sich so ein Sturm an Themen auswirken kann, falls man in halblanger Hose und Bergschuhen gerade durch die Gegend stapft, wo keine Wege sind.

Als Präsident wäre ich eine Katastrophe. Zum Glück bin ich ein Flaneur und kein Alpinist. Andernfalls hätte es mich womöglich längst aus irgendeiner Wand geschmissen. Seit ich auf kein Motorrad mehr steige, ist es außerdem so viel harmloser, wenn dann schon einmal Blut fließt.

Diese ganz oberflächlichen Wunden beindrucken mich ja überhaupt nicht. Ich empfinde sie als eine fast schon freundliche Art, vom Gestrüpp physisch beschriftet zu werden. Die gefährlichen Belange sind dem Aufenthalt in meinen inneren Landschaften vorbehalten.

Da ich mich unter anderem im archipelischen Teilprojekt „Corrida“ derzeit a) mit dem Stierkampf und b) mit dem Speed Demon befasse, geht es dabei unter anderem um die Historie des Ford Mustang. Dazu gibt es eine Entsprechung unter den War Birds des Zweiten Weltkriegs: North American P-51 Mustang. Cadillac des Himmels. (In seiner stärksten Version gut 700 km/h schnell.)

Also habe ich mich per KI in dieses Jagdflugzeug setzen lassen. Dieser Mustang hat natürlich ein Bar an Bord und ich proste da grade meinem Wingman zu. Ja, das ist so eine Kerl-Attitüde. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Rennfahrer und Piloten sehr exponierte Heldenfiguren.

In meinen Gedankenwelten spiele ich sowas noch durch, mit einem Hauch des Sentimentalen, denn in genau solchen Kerl-Posen habe ich gelegentlich sehr heftig geblutet. Das sind heute bloß Reminiszenzen. Ich saß gestern grade erst meinen Youngsters gegenüber, den winzigen Max im Arm, der mit uns eben seine erste Verabredung zum Essen gehabt hat.

Da fiel etwa dieser Satz, den meine Schwiegertochter an meinen Sohn gerichtet hat: „Ich möchte nicht, daß du Motorrad fährst.“ Er nickte dazu. Ich ebenso und sagte: „Hab es deshalb aufgegeben. Mir ist der Verkehrt heute viel zu gefährlich.“


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