Daran kann ich nie vorbei, werde oft fündig; wie
eben wieder in Gleisdorf. Eine Publikation von Georg
Baselitz und Alexander Kluge ist für mich ein sehr
feiner Fund. Ich lebe ja praktisch in einer
Bibliothek, halte auch allerhand Bücher in freier
Bodenhaltung.
Dank Social Media weiß ich: Das
muß nicht als verrückt gelten, bestenfalls als
verhaltensoriginell. Zahllose wißbegierige Menschen
handhaben es bezüglich ihrer Bibliotheken so wie
ich, wenn das Fassungsvermögen der Regalbretter
erschöpft ist.

Eben schrieb mir Kulturwissenschafter Matthias
Marschik:
„Ui, meine Bücher! Schon bei dem Begriff
seh ich wieder, dass ich von vorgestern bin. Aber
was soll's? Ich mag sie einfach, die gedruckten
Bücheln.“Einspruch! Wir sind natürlich genau
nicht von vorgestern. Ich stehe eindeutig im Lager
der Gutenberg-Galaxis und mache gerne jederzeit
klar, daß dieses Feld gehalten werden muß. Ein Buch
zu lesen, also Text auf Papier zu rezipieren, bringt
mich physisch und kognitiv in einen völlig anderen
Zustand, als bei einer Lektüre am Displays
geschieht.

Der Unterschied neurologischer Vorgänge in diesem
und jenem Fall gilt als geklärt. Was Lernfähigkeit
und Wissenserwerb angeht, möchte ich dann erst
einmal genauer sehen, ob Youngsters mit ihren
Gadgets allgemein mehr drauf haben als ich. (Ich
glaub es nicht.)
Marschik notierte:
„Hab grad
wieder vier Bücher gleichzeitig am Laufen und mir
nebstbei noch eine Lehrveranstaltung aufgehalst.
Aber ich kann's halt nicht lassen.“ Da liegt bei uns
alten Zauseln eben die Latte, was intellektuelles
Leistungsvermögen angeht. In dieser Zone möchte ich
keinesfalls bloß auf EDV angewiesen sein.

Ich erinnere mich an eine
Konferenz, da hab ich im Plauderton so nebenbei
erwähnt, ich sei ein Hochleistungsdenker. Wie
überraschend, daß eine Regionalmanagern mit
Doktortitel sich kurz darauf öffentlich darüber
lustig gemacht hat. Unsere Leute sind bei diesem
Thema auffallend prüde. Wer Freude am Wissenserwerb
und am Denken hat, ist offenbar immer noch suspekt.
(Die gute, alte Intellektuellenfeindlichkeit, wie
sie einst bei den Nazi Feste gefeiert hat.)
Nebenbei bemerkt, wir haben bis heute keine
stabileren Datenträger für ein breites Publikum, die
sich mit Büchern messen könnten. Dagegen sind viele
Datenträger fürs Digitale heute unbrauchbar, weil
wir keine Maschinen mehr dafür besitzen, wie etwa
für meine drei Zoll kleinen CP/M-Disketten.
Und die Cloud? Lustig! Eben titelte der „Business
Standard“ (New Delhi) zu Amazon Web Services:
„AWS unable to restore access to Bahrain, UAE cloud
zone hit in Iran war“. Die Company „cannot
restore access to its cloud-computing facility in
Bahrain and one of three data-hosting zones in the
United Arab Emirates following damage during the
Iran war, according to a status update seen by
Reuters on Tuesday.“ (Um es also mit Lord Brett
Sinclair Richtung Cloud zu sagen:
„Tschüssikowski!“)