log #165: kunst o.st labor | leader

Das Arbeitspapier "Kunst"
Von Martin Krusche

Was ist Kunst? Ein großes Thema, das sich nicht auf die Art bearbeiten läßt, wie man „Was ist eine Kardanwelle?" klärt oder „Welches Wellness-Angebot ist heute bei Ihnen günstig?"

Was soll das nun heißen? Erstens heißt das, es tut sich ein riesiges Feld aus, denn es gibt keinen „universellen Kunstbegriff", keine Definition von Kunst, die quer durch verschiedene Zeiten, Epochen und Weltgegenden anwendbar wäre. Zweitens heißt das, es gibt kein „Internationales Kommissariat zur Festlegung, was Kunst ist und was nicht".

Es muß also stets neu verhandelt und geklärt werden, was wir gegenwärtig unter „Kunst" verstehen möchten. All das ist ungefähr gemeint, wenn Ernst H. Gombrich seine international anerkannte „Geschichte der Kunst" in der Einleitung mit folgender Feststellung beginnt: „Genau genommen gibt es 'die Kunst' gar nicht. Es gibt nur Künstler."

Rund 600 Seiten später geht Gombrich auf diese Aussage noch einmal ein: „Damit wollte ich natürlich sagen, dass das Wort 'Kunst' zu verschiedenen Zeiten Verschiedenes bedeutet." In diesem Standardwerk der Kunstgeschichte betont er übrigens sinngemäß, er halte es für besser, sich ganz unbelastet dem Kunstgenuß zu widmen, statt sich mit gestelzten Worten und geschraubten Floskeln („hochtrabendes Kunstgeschwätz") von dem ablenken zu lassen, was einem Kunstwerke zu geben vermögen.

Man kann sich folglich ruhigen Gewissens auf Kunst einlassen, indem man bloß den „Gesetzen der Sinnlichkeit" folgt, also dem, was uns die Sinne über unsere Wahrnehmung anbieten. („Gefällt mir, sagt mir was" oder „gefällt mir nicht, sagt mit gar nichts".) Dem stehen aber die „Regeln der Kunst" gegenüber. So findet man das zumindest bei einigen französischen Philosophen im 20. Jahrhundert behandelt.

Da sind also zwei ganz verschiedene Kategorien im Spiel. Daraus folgt, es kann etwas ein bedeutendes Kunstwerk sein, obwohl es mir zutiefst mißfällt oder mir unerheblich erscheint. Die „Gesetzen der Sinnlichkeit" müssen nämlich keineswegs die „Regeln der Kunst" bedienen und umgekehrt. Der österreichische Künstler Franz West hat bei einer Arbeit wohl augenzwinkernd angemerkt: „Monsignore Otto Mauer, Begründer der Galerie Nächst St. Stephan, erste und damals einzige Galerie für zeitgenössische Kunst in Wien: 'Kunst ist das, was einer, der von Kunst Ahnung hat, für Kunst hält.'"

Etwas „von Kunst verstehen"? Das handelt von ästhetischen Erfahrungen und davon, mit den „Regeln der Kunst" vertraut zu sein. Ansichten und Einschätzungen, die sich, wie schon erwähnt, laufend ändern. Diese Dynamik hat innerhalb des 20. Jahrhunderts ein verwirrendes Tempo erreicht. Die Kunsttheoretikerin Catherine Millet meinte dazu, im Bereich der Kunst sei über die 1970er („Überbewertung der 'Ismen'") und 1980er („Aufblühen der 'Neo'-Stile") ein Phänomen aufgetaucht, „das dem von Paul Virilio im Bereich der Kommunikation festgestellten vergleichbar war. Eine intensive Beschleunigung zeitigt Stillstand."

In seinem Essay „Rasender Stillstand" schreibt Virilio über die „Revolution des Transports-auf-der-Stelle" und welche Konsequenzen es haben mag, „die 'Denkexperimente' der Forscher durch 'Computerexperimente' zu ersetzen". Ein kleiner Querverweis darauf, daß wir heute gefordert sind, mit radikalen Veränderungsschüben zurecht zu kommen („elektronische Revolution", „Computerzeitalter", „Informationsgesellschaft").

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30•09

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