29. November 2025

Standortfragen


Ich bin kein „Künstla“, wie sich das manche Leute gerne vorstellen und dann ein wenig mit den Augen rollen. Ich bin eine operative Kraft des geistigen Lebens dieser Gesellschaft. Das auszudrücken bedarf keines lustigen Hütchens, keines auffallenden Trinkverhaltens, keines exaltierten Benehmens.

Wir haben nach mehr als zweitausend Jahren Kunstdiskurs, der ja nicht endet, durchaus Kriterien, um kreative Bastelei von Werken der Gegenwartskunst zu unterscheiden. Pose spielt dabei bestenfalls in Fragen der Marktposition eine Rolle. In Fragen der Kunst sind sie bedeutungslos; wie auch dieses klägliche Herunterbeten von akademischen und sonstigen Titel, das mir vor allem bei manchen Vernissagen zugemutet wird.


Kunst ist nicht mein Hobby. Ich lebe in der Kunst, wovon auch meine Profession geprägt ist, also mein Broterwerb. Zu all dem ist keinerlei „Berufung“ nötig. Die halte ich für eine Kategorie der Spießerkultur, über die sich vor allem sagen läßt, daß sie hauptsächlich als Distinktionsmaschine benutzt wird.

Damit meine ich, daß allerhand Leute, die in konventionellen Tätigkeiten ein Maximum an Sozialprestige erreicht haben, auf mein Terrain wechseln, um da noch ein paar Meter an Bedeutungsgewinn zu machen. Auch da gilt: Posen, Klamotten und Titel bedeuten gar nichts. Immer zählt vor allem das Werk.



Sich aus der Masse abheben wollen?
Ein verständliches Bedürfnis!

Repräsentation, Broterwerb und Marktposition sind keine Kategorien der Kunst. Was dann? Es geht um Wahrnehmungserfahrungen, Erkenntnisgewinn und um gelungene Werke. In meinem Fall heißt das zum Beispiel: Wenn ich etwa Komplexes verstehen möchte, schreibe ich darüber. Das ist so noch kein Kunstwerk. Aber wenn ich quer durchs Jahr einige Gedichte verfasse, die etwas taugen, bin ich zufrieden. Wie eingangs erwähnt, ich bin eine operative Kraft des geistigen Lebens dieser Gesellschaft.

+) Kulturpolitik

Postskriptchen
Talent ist nützlich, aber Professionalität kommt durch Arbeitszeit. Und die Tiefe erlangt man nach meiner Einschätzung, bestenfalls, wenn Obsession mitwirkt. Ich hab zumindest noch keine andere Variante von Belang gesehen.


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