Kunst ist nicht mein Hobby. Ich lebe in der Kunst,
wovon auch meine Profession geprägt ist, also mein
Broterwerb. Zu all dem ist keinerlei „Berufung“
nötig. Die halte ich für eine Kategorie der
Spießerkultur, über die sich vor allem sagen läßt,
daß sie hauptsächlich als Distinktionsmaschine
benutzt wird.
Damit meine ich, daß allerhand
Leute, die in konventionellen Tätigkeiten ein
Maximum an Sozialprestige erreicht haben, auf mein
Terrain wechseln, um da noch ein paar Meter an
Bedeutungsgewinn zu machen. Auch da gilt: Posen,
Klamotten und Titel bedeuten gar nichts. Immer zählt
vor allem das Werk.

Sich aus der Masse abheben wollen?
Ein verständliches Bedürfnis!
Repräsentation, Broterwerb und Marktposition sind
keine Kategorien der Kunst. Was dann? Es geht um
Wahrnehmungserfahrungen, Erkenntnisgewinn und um
gelungene Werke. In meinem Fall heißt das zum
Beispiel: Wenn ich etwa Komplexes verstehen möchte,
schreibe ich darüber. Das ist so noch kein
Kunstwerk. Aber wenn ich quer durchs Jahr einige
Gedichte verfasse, die etwas taugen, bin ich
zufrieden. Wie eingangs erwähnt, ich bin eine
operative Kraft des geistigen Lebens dieser
Gesellschaft.
+)
KulturpolitikPostskriptchen
Talent ist nützlich, aber Professionalität kommt
durch Arbeitszeit. Und die Tiefe erlangt man nach
meiner Einschätzung, bestenfalls, wenn Obsession
mitwirkt. Ich hab zumindest noch keine andere
Variante von Belang gesehen.