Gibt es irgendeinen Beleg dafür, daß sie meinte,
ihre privaten Briefe seien ebenfalls als
öffentliches Gut der Wissenschaft und dem Publikum
anzubieten? Ich kann mir das nicht vorstellen. Rechtfertigen ihr künstlerischer Rang und ihre
zeitgeschichtliche Wirkung dieses Eindringen in
derart private Bereiche? Ich habe starke Zweifel.
Ein Beispiel. Publizist Leander F. Badura
notiert zu Geophysiker Heinz Bachmann:
„Erst später
erfuhr er von einem alten Freund seiner Schwester,
dass diese von einer Arztgattin aus der Schweiz mit
zahlreichen Beruhigungsmitteln, darunter Seresta,
versorgt worden war und dass der jahrelange
Medikamentenmissbrauch zu Schmerzunempfindlichkeit
geführt hatte.“Man muß wohl nicht besonders
smart sein, um allein durch dieses Zitat auf einen
sehr kranken, einen leidenden Menschen zu schließen.
Jeder behandelnde Arzt, der in solcher Weise über
seine Patientin Auskunft gäbe, müßte sich gewiß
wegen unethischem Verhalten entsprechenden
Konsequenzen stellen. Bachmanns Innerstes in
schwerer Zeit als öffentliches Gut? Das kommt mir
dubios und düster vor.

Böhmen lag schon 1620 am Meer.
Jemand wie Tobias Schwartz erscheint mir da fast
schon zynisch, wenn er anmerkt:
„Immerhin hatte
die Klagenfurterin einen Großteil ihres
Prosaschaffens einem einzigen Überbegriff gewidmet:
dem Tod. Der Tod gehört zum Leben dazu und das Leben
der Bachmann gab immer schon viel Anlass, sich
darüber auszulassen und zu spekulieren.“ Sowas
wirkt auf mich sehr schnoddrig.
Ich nehme zur
Kenntnis, was da insgesamt der Fall ist und mich
denken läßt, daß die Bachmann mit sehr persönlichen
Belangen unangemessen zur Schau gestellt wurde. Mir
bleibt in meiner Einlassung, auf ein Bearbeiten
dieser Anteile der Bachmann’schen Biografie zu
verzichten und mich an Norbert Elias zu erinnern,
der in einem seiner Werke lapidar feststellte:
„Tote haben keine Probleme“. Von
Christine Koschel heißt es, sie sei eine Vertraute
der Autorin gewesen. Koschel zitierte Bachmann
aufschlußreich:
„Man stirbt an dem, was mit
einem angerichtet wird.“
+)
Causa Bachmann (Das Projekt)
PostskriptumDas Landschaftsbild ist
eine an Picasso orientierte und KI-generierte
Paraphrase von Adam Willaerts Gemälde
„Wildziegenjagd an felsiger Meeresküste“ (1620), für
das Willaerts sich auf Felsstudien von Roelant
Savery stützte, welche dieser von seinen Reisen nach
Böhmen und Tirol mitgebracht hatte.