3. Juli 2026

Gleisdorf: Debattenkultur

Es mag ja sein, daß aufgeregte Leute es für eine Diskussion halten, wenn Kunst- und Kulturschaffende den Kräften aus Politik und Verwaltung vor Publikum etwas zurufen. Ich halte sowas noch nicht einmal für eine Sprechstunde, sondern für ein Übung in Spannungsabfuhr.

Wenn wir auf dem Kunstfeld kulturpolitisch unter Druck geraten, sehe ich keine Möglichkeit, auf Dialog zu verzichten. Was heißt Dialog? Erst einmal einander zuhören und dabei anerkennen, daß ich nun etwas über den Stand der Dinge erfahren hab; auch wenn ich dem Gehörten eventuell nicht zustimme.


Dann werde ich bei einigen Begriffen nachfragen müssen, ob wir uns über deren Bedeutung einig sind. Sonst weiß ich ja nicht, wovon die Rede ist. In dem Zusammenhang will ich auch genauer wissen, was im staatlichen Bereich, bei Politik und Verwaltung, grade die vorrangigen Prioritäten sind.

Erst dann werden nach meiner Erfahrung Verhandlungen möglich. Ich habe jüngst eine kulturpolitische Session im Gleisdorfer Rathaus erlebt, die hatte ungefähr gar nichts von Verhandlungen, wenig von Dialog, und auf der Seite des Kunstvölkchens auch kaum Debattenqualität.



Die Praxis der Differenz.

Weshalb ich das so beurteile? Mein Motto lautet: „Begründen statt verkünden!“ Zu all dem will ich dann auch wissen: Wann wurde von wem vereinbart, was der Staat den Kunstschaffenden schuldet und wo kann ich das nachlesen?

Sowas interessiert mich stets neu, weil ich seit gut 50 Jahren Teil diese Geschehens bin. In einem Aviso zu unserer dreitägigen Session „Böhmen liegt am Meer“ hab ich eben notiert: „Ich meine, eine der wesentlichen Fragen lautet, was ein radikales Frauenleben uns an Impulsen liefert, um diesem Bachmann’schen Satz ein wenig nachzukommen: ‚Die Wahrheit nämlich ist den Menschen zumutbar‘. (Ein Statement vom 17. März 1959.)“


Dazu gehört auch eine weitere „Konferenz in Permanenz“, zu der ich anmerkte: „Erfahrungsgemäß werden manche Themen gar nicht gerne angepackt. Etwa klare Berufsbilder, Arbeitsbegriff und kulturpolitische Konzepte als strategische Reaktionen auf Veränderungen im Kunstbetrieb. Ich darf inzwischen betonen: der Archipel ist das Beispiel einer Best Practice in der Wissens- und Kulturarbeit abseits des Landeszentrums. Wie kann ich das behaupten?“

Ich meine, falls wir uns für ein sozial und kulturell außergewöhnliches Milieu halten und falls wir daraus bestimmte Ansprüche an die Gesellschaft ableiten, sollten diese Ansprüche durch Sachkenntnis, inhaltliche Kohärenz, adäquates Kommunikationsverhalten und Medienkompetenz gedeckt sein. Na, schauen wir, dann sehen wir schon…

+) Böhmen liegt am Meer
+) Die 16.06.26-Session
+) Kulturpolitik


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