6. September 2026

Der Deppen-Faktor

[Vorlauf: Dunning-Kruger-Epidemie] Falls jemand das Bedürfnis hat, mir – egal, aus welchen Gründen – auf die Zehen zu treten, wird er dabei von zwei Informationen profitieren. Erstens halte ich den Mangel an Esprit für einen strafbaren Tatbestand. Zweitens habe ich von Kindheit an eine Deppen-Allergie. Das ergibt überschaubare Reaktionsmuster.

Ein eleganter Diskursgegner könnte nun erwidern: „Definiere Depp!“ Die Zuschreibung „Depp“ ist auf meinem Inselchen keine fixe Position, sondern ein Verhältnis. Dabei stehe ich im Lager von Mrs. Gump, der Mama von Forrest Gump, die zu sagen pflegte: „Stupid is as stupid does.“

Das wäre ungefähr mit „Dumm ist der, der Dummes tut“ zu übersetzen. Konkret ist für mich ein Depp, wer sich mit bescheidener Weltsicht zufrieden gibt, mich aus dieser Enge heraus bedrängt und dabei die Auffassung zeigt, wir beide befänden uns in der gleichen Liga.



Falscher Bart und dunkle Brille? Nützt gar nichts,

Wer meine Intelligenz auf so schlichte Art beleidigt, muß mit ernsten Konsequenzen rechnen. Ich hoffe, man versteht meinen Punkt. Der Deppen-Status ergibt sich mir also nicht aus dem Wissensstand, dem Horizont, dem Sprachvermögen, ergibt sich auch nicht aus der intellektuellen Ausstattung eines Menschen.

Ich habe mit Menschen, die sehr unterschiedliche Arten von Geisteszustand verkörpern, anregende oder mindestens amüsante Stunden erlebt. Mich fesselt, was das Andere ist. In dieser Sache hat annähernd jeder Mensch etwas zu bieten und kann mir für eine Begegnung, für einen Austausch, willkommen sein.

Ich mag es auch, jemanden zu unterschätzen und dann Überraschungen zu erleben. Ich versuche, es etwas pathetisch zusammenzufassen: Man muß kein Athlet des Intellektuellen sein, um intellektuelle Selbstachtung zu haben. Diese Qualität ist auf jedem Level von Geistesgegenwart möglich.



Massenmedium und Bühne zugleich...

Eine Heimsuchung sind die mit der großen Klappe, hinter der sich ein kleines Ego zu verbergen sucht. Marktschreier und Possenreißer. (Wie leicht versteigt sich so jemand dann auch noch zu Gewalt durch Sprache.)

Wenn mir in diesem Kräftespiel jemand den Deppen macht, dabei gleichermaßen einen Mangel an Esprit und intellektueller Selbstachtung demonstriert, schließlich eine geharnischte Reaktion auch noch als Untat beklagt und das an mir zu ahnden versucht, wird es höchste Zeit, daß ich mich abwende.

Es wäre unethisches Verhalten, bei großer Ungleichheit der geistigen Waffen einen Deppen umzuhacken. Ich denke an ein Sprüchlein, das ich von einem serbischen Ex-Panzerkommandanten gehört hab, als wir eines nachts gezecht und über den Krieg gesprochen hatten: „Svaka vam cast, al' što dalje od nas!“ Das bedeutet ungefähr: „Herzlichen Glückwunsch, aber haltet euch von uns fern!“


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