Seite #58: Buch von Egon Rudolf

Egon Rudolf
„PUCH. Eine Entwicklungsgeschichte“
Weishaupt Verlag
ISBN 978-3-7059-0259-6
17,5 x 24,5 cm, 208 Seiten, 300 teils farbige Abb., geb.
Mit beiliegender DVD (Historische Filmaufnahmen, 17:35 Min. Spielzeit)

Ich hätte mir den Band natürlich wenigstens doppelt so umfangreich gewünscht, denn hier berichtet ein Insider. Wer je selbst mit „Puchianern“, die im Werk an den Projekten mitgearbeitet haben, zum Plaudern kam, weiß daraus, wie viele interessante Details nicht allgemein dokumentiert sind.

Mit diesem Buch werden endlich weitere Informationslücken geschlossen, die in bisher verfügbarer Literatur offen geblieben sind.

Konstrukteur Egon Rudolf hat in der vormaligen Steyr-Daimler-Puch A.G. mehrere Stationen durchlaufen, war schließlich Werksdirektor. Es ging also vieles durch seine Hände und über seinen Schreibtisch, was in anderen Publikationen nicht vorkommt.

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Rudolf spart jene detaillierte Faktenfülle aus, die anderweitig ohnehin dargestellt wurde. Er beschreibt dafür den größeren Zusammenhang der Automobilproduktion in Graz; vom 500er Puch über die Pinzgauer bis zum Syncro-Bus von VW. Der Autor kommentiert Skizzen, Studien und Prototypen, macht verschiedenen Innenansichten der Prozesse zugänglich und ergänzt so die populären Geschichten.

Etliche Fahrzeug von „Steyr-Puch“ wurden über Jahrzehnte gebaut, beziehungsweise sind, wie der Puch G, noch immer in Produktion. Daraus entstand eine Kompetenz auf dem 4WD-Sektor, die dem Konzern (heute „Magna-Steyr“) weltweiten Rang einräumt. Die „Verallradisierung“ von bestehenden Großserienfahrzeugen hat einen ihrer wichtigsten Ursprünge in Graz.

Über etliche markante Punkte, die Rudolf teilweise anklingen läßt, führt der Autor hier ein Stück österreichischer Technik- und Sozialgeschichte in die Gegenwart herauf. Daran ist auch jene „Parallel-Story“ höchst interessant, die sich aus den abgebrochenen Projekten des Konzerns ergab. Diese quasi virtuelle Teil der Firmengeschichte zeigt bemerkenswerte Optionen.

Rudolf erinnert auch daran, daß Puch einst der Welt größter Zweiradhersteller gewesen ist. In seinem Buch findet man ferner überraschende „Sonderprodukte“ von Puch, zu denen auch Skibobs und Ölöfen zählen. Diese erfreuliche Ergänzung der immer noch unvollständigen „Puch-Story“ läßt auf weitere Vorhaben des Verlages warten.

Auf der beigelegten DVD zeigt sich der Autor als ambitionierter „Schmalfilmer“. Ein Glücksfall, denn so sind Filmaufnahmen verfügbar, die für gewöhnlich vollkommen ungreifbar wären. (Die genannte Kamera, mit der gefilmt wurde, eine „Eumig“, läßt an ein anderes österreichisches Firmenschicksal denken, da eine große Marke sich im Wirbel der Veränderungen des Landes aufgelöst hat.)

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