21. November 2023

Palästina und das Geplapper VI

Da war nun seit den letzten Wochen viel Ömpörung laut geworden. Und zwar auf die Art, wie ich sie schon aus den Corona-Tagen kenne. Steile Erregungskurve, dabei ein Klischeegewitter. Und dann? Wie sehen die nächsten Schritte in den öffentlichen Diskursen aus, wo sich sich von unten her entfaltet haben?

Ich sehe zwei Top-Meldungen. 1) „Free Palestine!“ und 2) die Waffen sollen schweigen. Auf welche Art soll nun die Region Palästina wovon befreit werden, um was zu ermöglichen? Das erfahre ich von Volkes Stimme nicht. Da bleibt dann vor allem mein Verdacht: So werden ganz gerne antiisraelische Ressentiments ausgestreut.



Kein Nationalstaat ohne ethnische Differenzen...

Natürlich sollen die Waffen schweigen. Was denn sonst? Wann und wo hätte es je während aufrechter Waffengänge eine haltbare politische Lösung gegeben? Also: „No na net!“ , wie wir in Österreich sagen. Außerdem befaßt sich die Völkergemeinschaft mit der Frage schon.

Wie sehen da die Konzepte dazu aus? Weiß ich noch nicht. Ich kann zur Frage, wie das in der Region Palästina zu erreichen wäre, nichts beitragen. Das müssen die arabischen und jüdischen Leute selbst herausfinden, wie sie dort auch selbst klären müssen, von wem sie dazu welche Unterstützung brauchen würden.

Immerhin ist Israel ein regulärer Staat mit einer verantwortlichen Regierung, die sich im Fall von Kriegsverbrechen den Konsequenzen stellen muß. Was scheren mich da jene Schwätzer, die gerne eine Zahnlosigkeit solcher internationalen Gremien betonen?



(Quelle: ORF)

Wir haben nur das, diese Konventionen, Gerichte und öffentliche Diskurse, um Faustrecht zu bändigen. Wer das kleinzureden versucht, steht im Lager der Tyrannei, statt etwas Nützliches beizutragen.

Eine sehr populäre Botschaft ist in diesen Tagen die Unterstellung, der israelische Saat sei illegitim. Dieser klischeehafte Blödsinn läßt Menschen so tun, als wüßten wir nichts darüber, wie im Europa des späten 19. und gesamten 20. Jahrhundert Nationalstaaten entworfen, schließlich gegründet und etabliert wurden. Ein historisch junges Konzept in der Ablöse von Imperien, deren Dynastien teilweise von der politischen Bühne abtreten mußten.

Die Reiche zum Beispiel der Habsburger, Hohenzollern, Osmanen, Romanows haben sich ja nicht in Luft aufgelöst. Es entstanden auch keine neuen Staaten in irgendeiner unbewohnten Ödnis. Sagen Ihnen Begriffe wie „Irredenta“ oder „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ irgendetwas?



(Quelle: ORF)

Natürlich haben Ethnien in den neuen Staaten um Autonomie und Interessenausgleich gerungen. Manche davon bewaffnet, blutig. Konnte folglich jede Ethnie ihren eigenen Nationalstaat bekommen? Natürlich nicht!

Aber Israel war für so einen Prozeß womöglich zu spät dran? Ist in den 1940er Jahren der „Internationale Redaktionsschluß zur Staatengründung“ schon durch gewesen? Nebenbei bemerkt: wann wurde Mazedonien ein Staat? Wann löste sich Montenegro von Serbien ab? Was aber ist die Republika Srpska mitten in Bosnien und Herzegowina?

Da faselt dann etwa der vormalige Landesbedienstete Bernhard via Facebook etwas von einem „Ultra-Nationalstaat(es) auf dem Boden einer besetzten Region“, der „großes Übel heraufbeschworen“ habe. Gertraud, immerhin Obfrau eines oststeirischen Kulturvereins, bestätigt: „ja, finde ich auch!“

Herr Bernhard attestiert den Siegerstaaten des Zweiten Weltkriegs, man „hatte nichts Besseres zu tun, als diesen Landraub abzusegnen“. (Welchen Landraub?) Die Geschichtsstunde, wie sie hier von pädagogischem Fachpersonal geboten wurde, mündet in den Rat, die Souveränität eines bestehenden Staates von außen mit Machtmitteln zu übersteuern.

Herr Bernhard: „Die UNO- und vor allem Amerika hätten es in der Hand, Israel zu zwingen, die Verfassung zu ändern und zu einem liberalen Staat zu werden. Sie sind schließlich mitschuldig an der Misere.“ Das auch als ein Exempel, weshalb ich meine, der steirische Kulturbetrieb habe einen Rechtsruck vollzogen.