Ich staune ferner, wie viele Leute, die sicher kein
Wort Russisch verstehen, mir im heurigen Jahr Putin
erklärt haben, um dann meist auch gleich die EU zu
desavouieren. Bliebe zu fragen, aus welchen Quellen
sie schöpfen. Wissen wir nicht, denn zahlreiche
Beispiele genügen sich als bloße Behauptungen,
nennen keine Quellen. Ich ziehe es vor, Putin selbst
zu befragen, was er denn vorhabe; aufgrund seiner
Sicht der Dinge.
Dazu gibt es etwa aus dem
Jahr 2021 einen Putin-Essay, in dem er sich „Zur
historischen Einheit von Russen und Ukrainern“ sehr
ausführlich äußert. Hier die englische Fassung: “
On
the Historical Unity of Russians and Ukrainians”,
denn das
russische Original kann ich klarerweise nicht
lesen.
Putin macht dabei gut nachvollziehbar,
was eine Grundübung des Nationalismus ist und was
jeder hochrangige Faschist machen muß. Er vermischt
Ethnos und Demos, als wäre das eins, um daraus
politische Ansprüche abzuleiten.

Ethnos meint die kulturell geprägte Gemeinschaft.
Menschen, die Eigenschaften teilen, wie sie etwa die
Muttersprache, Bräuche und Symbole oder auch
bestimmte Speisen, ebenso Musik und Literatur sein
können. Eine durch ihre kulturellen Codes
beschreibbare und erkennbare Ethnie.
Demos
ist das Staatsvolk, also die als legitim anerkannte
Bevölkerung eines klar definierten Staates. Logisch,
daß sich ein Staatsvolk aus vielen Ethnien
zusammensetzen kann. Das finden wir im recht kleinen
Österreich ebenso wie im sehr großen Rußland, China
oder Indien.

Daß Putin nun locker tausend Jahre Geschichte
abgrast, Details zusammenklittert und aus sehr alten
Staatsformen wie auch sehr alten ethnischen
Situationen herleitet, daß die ukrainischen Leute
eigentlich russische Leute seien, hat er 2021
ausführlich dargelegt. Im Februar 2022 überfiel
Putins Rußland die staatlich souveräne Ukraine unter
dem Vorwand, die dortigen „Russen“ vor „Nazis“ zu
schützen und Rußlands Sicherheitsinteressen zu
vertreten.
Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse
aus der Lektüre solcher Dokumente und gut
dokumentierten politischen Handlungsweisen. Geben
Sie mir dann bitte ein paar ermutigende Hinweise, wo
ich finden kann, daß „Wir“, nämlich „Wir, das Volk“,
nicht bloß anderen zurufen, was sie tun sollen, um
Europa stabiler zu machen. Was genau wollen wir tun?
+)
Eurasien+)
Jürgen Kapeller: Das Volk bin ICH!