1. März 2026

Verwirrende Dichte

Wollte ich mich derzeit öffentlich empören, ich käme bezüglich der massiven Geschehnisse gar nicht hinterher. Und nun via Social Media allgemeine oder spezielle Verwünschungen raushauen? Lächerlich!

Nein, ich habe heute keine Empörung vorrätig. Wenn ich ein Stück Klarheit gewinne, schreibe ich Glossen in einer meiner Kolumnen. Wenn ich schweige, bin ich mit Lesen und Nachdenken beschäftigt.

Ich versuche, mich zu orientieren. Welche Kräftespiele bewegen derzeit die Welt und was davon wird bis ins hinterste unserer Dörfer Wirkung entfalten? Dann aber gleich die Frage: Was davon bietet sich mir an, um darauf handelnd zu reagieren?

Ich sehe da vor allem zwei Optionen. Als Netizen und Akteur im Rahmen öffentlicher Diskurse kann ich mich auf redliches Verhalten und intellektuelle Selbstachtung konzentrieren. Meine Handlungsfähigkeit? Die liegt im Bereich der Lokalpolitik, kann dort stattfinden, wo ich lebe, nicht aber im Iran, im Gaza, in der Ukraine…

Nein, ich habe zum heutigen Lauf der Dinge im Moment nichts Näheres zu sagen. Was ich via Medien davon erfahre, ist derzeit äußerst verwirrend und widersprüchlich. Ich lese beim ORF, der Präventivschlag gegen das iranische Regime sei a) völkerrechtswidrig und b) nicht einmal in den USA gesetzeskonform.

Ich lese beim Guardian, Ayatollah Ali Khamenei sei durch einen Raketentreffer getötet worden. Ich lese bei Fox News, laut offizieller israelischer Quellen seien inzwischen 40 wesentliche Regierungsmitglieder des Iran durch gezielte Schläge getötet worden.

Ich erinnere mich gut an Nachrichten, daß dieses iranische Regime eben erst tausende protestierende Zivilpersonen hat massakrieren lassen. (Wäre nun über das Genre Tyrannenmord zu reden?) Ich sehe Videoclips von Menschen im Iran, die auf den Straßen tanzen, weil diese Regierung gefallen ist.

Ich erfahre aber noch nichts Aufschlußreiches, wer und was diesem Regime folgen wird. (Die Bosse der Revolutionsgarden?) Ich kann mir gar nicht ausmalen, was diese Ereignisse nun für die ganze Region, den Nahen Osten, an Folgen nach sich ziehen werden.

Ich weiß natürlich, daß zeitgleich die Zivilbevölkerung im Gaza bittere Not leidet. Ich weiß ebenso, was ich mehrmals betont habe, daß es keinen sauberen Krieg gibt. Das bedeutet, die Armee Israels schlug mit großer Härte zu und die Verantwortlichen werden früher oder später zum Vorwurf der Kriegsverbrechen Stellung beziehen müssen.

Währenddessen greift die russische Armee weiter zivile Ziele an, um die ukrainische Bevölkerung zu zermürben. Ich erfahre aktuell nichts mehr über nordkoreanische Soldaten, die für Rußland in Schlachten geschickt wurden.


Aber ich lese von indischen Familien, die laut beklagen, daß man ihre Söhne zur Arbeit nach Rußland gelockt und dann in die Armee gezwungen habe. Neuerdings soll genau das auch mit afrikanischen Männern geschehen.

Immerhin hat Donald Trump nun die obszöne Geschichte der Verwicklungen mit den Machinationen von Jeffrey Epstein kurz aus dem allgemeinen Fokus schieben können. Aber wir bleiben daran erinnert, daß Gewalt gegen Mädchen und Frauen auch bei uns epidemische Ausmaße hat und die Steiermark immer noch zur internationalen Spitze gehört, was Femizide und Selbstmorde angeht. Eine verwirrende Dichte der Geschehnisse...

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