Ich versuche, mich zu orientieren. Welche
Kräftespiele bewegen derzeit die Welt und was davon
wird bis ins hinterste unserer Dörfer Wirkung
entfalten? Dann aber gleich die Frage: Was davon
bietet sich mir an, um darauf handelnd zu reagieren?
Ich sehe da vor allem zwei Optionen. Als Netizen
und Akteur im Rahmen öffentlicher Diskurse kann ich
mich auf redliches Verhalten und intellektuelle
Selbstachtung konzentrieren. Meine
Handlungsfähigkeit? Die liegt im Bereich der
Lokalpolitik, kann dort stattfinden, wo ich lebe,
nicht aber im Iran, im Gaza, in der Ukraine…
Nein, ich habe zum heutigen Lauf der Dinge im Moment
nichts Näheres zu sagen. Was ich via Medien davon
erfahre, ist derzeit äußerst verwirrend und
widersprüchlich. Ich lese beim ORF, der
Präventivschlag gegen das iranische Regime sei a)
völkerrechtswidrig und b) nicht einmal in den USA
gesetzeskonform.

Ich lese beim Guardian, Ayatollah Ali Khamenei sei
durch einen Raketentreffer getötet worden. Ich lese
bei Fox News, laut offizieller israelischer Quellen
seien inzwischen 40 wesentliche Regierungsmitglieder
des Iran durch gezielte Schläge getötet worden.
Ich erinnere mich gut an Nachrichten, daß dieses
iranische Regime eben erst tausende protestierende
Zivilpersonen hat massakrieren lassen. (Wäre nun
über das Genre Tyrannenmord zu reden?) Ich sehe
Videoclips von Menschen im Iran, die auf den Straßen
tanzen, weil diese Regierung gefallen ist.
Ich erfahre aber noch nichts Aufschlußreiches, wer
und was diesem Regime folgen wird. (Die Bosse der
Revolutionsgarden?) Ich kann mir gar nicht ausmalen,
was diese Ereignisse nun für die ganze Region, den
Nahen Osten, an Folgen nach sich ziehen werden.

Ich weiß natürlich, daß zeitgleich die
Zivilbevölkerung im Gaza bittere Not leidet. Ich
weiß ebenso, was ich mehrmals betont habe, daß es
keinen sauberen Krieg gibt. Das bedeutet, die Armee
Israels schlug mit großer Härte zu und die
Verantwortlichen werden früher oder später zum
Vorwurf der Kriegsverbrechen Stellung beziehen
müssen.
Währenddessen greift die russische
Armee weiter zivile Ziele an, um die ukrainische
Bevölkerung zu zermürben. Ich erfahre aktuell nichts
mehr über nordkoreanische Soldaten, die für Rußland
in Schlachten geschickt wurden.

Aber ich lese von indischen Familien, die laut
beklagen, daß man ihre Söhne zur Arbeit nach Rußland
gelockt und dann in die Armee gezwungen habe.
Neuerdings soll genau das auch mit afrikanischen
Männern geschehen.
Immerhin hat Donald Trump
nun die obszöne Geschichte der Verwicklungen mit den
Machinationen von Jeffrey Epstein kurz aus dem
allgemeinen Fokus schieben können. Aber wir bleiben
daran erinnert, daß Gewalt gegen Mädchen und Frauen
auch bei uns epidemische Ausmaße hat und die
Steiermark immer noch zur internationalen Spitze
gehört, was Femizide und Selbstmorde angeht. Eine
verwirrende Dichte der Geschehnisse...
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