Der kurze Sommer des Automobils / Seite 55

Das Puch-Poster

Es schließt nahtlos an den vorigen Eintrag [link] an. Das Jubiläumsheft zieht Kreise, aus denen ich freundliche Rückmeldungen erhalte. Bei jenem Abstecher in den Schuppen von Altmeister Fredi Thaler war schon Nachricht gekommen, die Poster [link] mit der Graphik von Chris Scheuer lägen im Logistikzentrum. Also waren sie nach dem Wochenende verfügbar. Also neuerlich zu Thaler...

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Fredi Thaler

In der Folge entstand eine sehr typische Situation, deren Beschreibung mir lohnend erscheint. Thaler und Manfred "Hasi" Haslinger [link] waren gerade mit einem Getriebe des Puch 700 befaßt. Das gilt heute schon als extreme Mangelware, denn die kleinen Kombis wurden in verschiedenen Diensten niedergeritten. Es sind kaum noch welche verfügbar. Die Optimierung eines Getriebes, um die (aus heutiger Sicht) geringe Motorkraft gut zu verwalten, gilt als Expertensache.

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Manfred "Hasi" Haslinger

Unter diesen Ereignissen kam Konstrukteur Harald Sitter vorbei, von dem unter anderem einer der Pinzgauer-Motoren [link] stammt, vor allem aber der Puch Vierzylinder [link] Boxer, von dem nur wenige erhalten sind. Allein dieses Trio repräsentiert eine Fülle von Know how, das nirgends dokumentiert ist. Das verweist übrigens auf wesentliche Elemente im Projekt "Vom Pferd zum Sattelschlepper": [link]

Damit meine ich, wir befinden uns in einer Ära des fundamentalen Umbruchs unserer technischen Umgebung und unserer Mobilitätskonzepte. Das verändert erneut die Bedeutung von Handwerk und wirft vertraute Dimensionen der Industriearbeit völlig um.

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Fredi Thaler (links) und Harald Sitter

Nun sehen Sie, Sitter war als Konstrukteur tätig, Haslinger in der Entwicklung, Thaler im After Sales-Bereich. Allein dieses Trio verkörpert einen komplexen Block der Arbeitswelt und des geistigen Lebens, aber auch der Technologiegeschichte, deren Details uns verlorengehen, wenn es kein Engagement gibt, welches noch verfügbares Wissen erhebt und dabei klärt, wie weiter damit verfahren werden soll. An jenem Montag Vormittag hat sich übriges die Situation noch bemerkenswert abgerundet.

Es kam Josef Marko vorbei, ein erfahrenerer Puch-Pilot, der es allerdings nicht schätzt, heutzutage medial in die Öffentlichkeit gebracht zu werden. Marko war unter anderem etliche Zeit Leiter des Kulturamtes des Landes Steiermark und ist ein profunder Kenner der Puch-Szene. Außerdem ist er der Cousin von Rennfahrer Helmut Marko.

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Davon handelte dieser Besuch. In Thalers Archiv befindet sich ein Original jener Plakate, die daran erinnern, daß Helmut Marko und Gijs van Lennep 1971 im 24 Stunden-Rennen von Le Mans einen Rekord eingefahren haben, der bis 2010 hielt. Marko hatte nun für einige Freunde Reproduktionen dieses Posters anfertigen lassen.

Das Besondere an der Geschichte ist die Distanz von 5335,313 gefahrenen Kilometern mit einem Monster von Rennwagen, dem Porsche 917. Das entsprach einem Durchschnitt von 222,304 Km/h, alle Boxenstopps eingerechnet. Eine beunruhigende menschliche Leistung, gestützt auf eine siegreiche Konstruktion, die man in Europa nur loswerden konnte, indem man das Renn-Reglement änderte. Das betraf den erlaubten Tankinhalt, der beim überaus durstigen Ur-Monster 400 Liter betrug. (Der soff rund 70 bis 97 Liter auf 100 Kilometer.) Das heißt auch, man fuhr ein rasendes Feuerzeug.

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Fredi Thaler

So ergeben sich in der kurzen Graz-Fahrt ein paar kontrastreiche Markierungen in dieser Geschichte, in welcher vor allem die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgestrichen wird, als der Automobilismus in Europa zum Massenphänomen wurde.

1957 bis 2017
60 Jahre Steyr-Puch 500
[link]


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