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Wir haben nun die erste Session absolviert. Der Modus erweist sich als tauglich. Im Video-Input wurden sehr konzentriert einige Überlegungen vorgetragen, die Stoff zur Debatte anbieten. Danach gingen auch gleich die Emotionen hoch. Das führte aber zu erstaunlichen Wendungen im folgenden Gespräch zwischen "SPLITTERWERK"-Leuten und Gästen des Abends.

Ich fand dabei besonders interessant, daß es letztlich zu einer gemeinsamen Kritik des Status quo in der Branche kam, aus der weitere Schritte nahe liegen. Ich arbeite zur Zeit am Material für die zweite Session, bei der Architekt Winfried Lechner ("ingenos", oben 2.v.l., unten rechts) mit seinen Ansichten im Fokus des Auftaktes stehen wird.

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Es war zugleich ein Abend der Debatte darüber, was denn Kunst sei und welche Rahmenbedingungen sie verlange. (Wie eben bei "next code: cruise".) Es bleibt verblüffend, daß bei solchen Debatten immer noch die Forderung auftaucht: "Definieren Sie jetzt einmal, was Kunst ist!"

Allein die letzten zwei, drei Jahrhunderte haben in all dem enorme Verschiebungen von Begriffen und Praxen hervorgebracht, eine flotte "Definition" scheint aus diesen Prozessen heraus völlig unmachbar. Zu Zeiten des Brunelleschi waren Fürsten und Bischöfe freilich ein gänzlich anderes Gegenüber, als es Bauherren den Architekten heute sind. Oder?

Anders gefragt: Wie bewegt man jemanden, sehr viel Geld aufzuwenden, um die Realisierung eines Kunstwerkes zu ermöglichen, um ihm dabei womöglich jede Definitionsmacht abzusprechen? Denn Kunstschaffende ziehen es meist vor, selbst festzustellen, was denn nun Kunst sei und was nicht. Wie geht das mit den anderen Positionen zusammen, damit etwas entsteht? (Wir werden diese Diskussionen weiter führen müssen!)

Cut!

Noch einmal "SPLITTERWERK":
Ein Teil der Crew war eben mit Las Vegas. Das hat damit zu tun, daß ein Standardwerk aus heutiger Sicht überprüft sein will: "Lernen von Las Vegas: Zur Ikonographie und Architektursymbolik der Geschäftsstadt" [link] von Venturi, Izenour und Scott Brown; sicherlich eines der Hauptwerke der Architekturtheorie des 20. Jahrhunderts.

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Von dort haben die SPLITTERWERKers eine üppige Sammlung jener Fotos mitgebracht, die den Automobil-Paparazzo in mir mehr als unruhig machen. Diese Aufnahme zeigt einen Chevrolet Camaro der ersten Generation, ein etwa 40 Jahre altes "Pony Car" (short deck, long nose, also etwa: kurzer Hintern und lange Nase).

Das wird eine eigene Leiste auf meiner [flame]-site ergeben, wo ich eben (mit Augenzwinkern) dargelegt habe, welche "Titanen-Geschäfte" solchen Motiven kulturell zugrunde liegen: [link]

Außerdem ist nicht bloß Las Vegas in wesentlichen Aspekten auf die Sitzposition der Leute hinter dem Steuer eines Autos ausgelegt, wovon das oben genannte Buch ganz erheblich handelt. Stadtplanung, Raumentwicklung etc. sind ohne Beachtung des Themas Automobil vermutlich kaum machbar.

Cut!

Im vorigen Eintrag hab ich den Bürgermeister von St. Margarethen zitiert, der sich explizit gegen die Annahme gestellt hat, Architektur sei nur was „für die Stadt“. Er meinte für das Dorf, dem er vorsteht: „Wir wollen zeigen, wie ernst es uns mit dem Thema ist.“

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Hier ist inzwischen eine energische Reaktion darauf formuliert worden. (Quelle: "Kleine Zeitung") Die vaterländische FPÖ verlautbart: "Wir sind ein ländliches Gebiet und kein urbaner Vorplatz."

Nun wäre interessant, zu erfahren, was genau das heute und auch übermorgen bedeuten mag: "ein ländliches Gebiet". Diese Darlegung fehlt im Moment freilich noch. Vor allem seitens der FPÖ:

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21•08