3. Februar 2018

Was lachst Du, Hannah?
Ach, mit ist ein Satz eingefallen, Thomas.
Science is the topography of ignorance?
Nein.

Diese kleine Passage stammt aus dem Roman "Oh Hannah!" von Helmut Eisendle. Wenn ich mich recht erinnere, stammt das Buch aus jener Zeit, als er Graz verlassen hat, um mit seiner Frau und einem kleinen Kind nach Wien zu gehen. (Ich hab noch vor Augen, wie Vera die paar Stufen in der Rathausgasse heraufkam.)

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Eisendle zählt zu jenen Leuten, mit denen Zeit zu verbringen manchmal wie ein Schlag auf den Hinterkopf war, auf daß einem das Denken vorankommt. Das schloß fröhliche Trunkenheit nicht aus. Goofy Schmidt hat in "A Hard Days Night oder Der große GRAZER KLASSIKER" von der Arbeit des Schreibens erzählt und den nächtlichen Fahrplan notiert, den wir beachteten; mit Stationen wie Haring, Kodolitsch, Lückl, Sporbuff... Es gibt hier im Archiv ein anschauliches Zitat aus diesem Text: [link]

Dazu paßt die Gravur, wie man sie oben sieht, die Rückseite einer Widmung, welche mir Peter Köck im "Das unbewältigte Wörterbuch" hinterlassen hat. Dem Denken vorankommen helfen... Oder auch: Jazz. Ich mußte mich ohnehin grade fragen: Ist des jetzt simple Sentimentalität, in all diesen Dingen herumzukramen? (Das bleibt nicht auszuschließen.) Aber es ist vor allem eine Suchbewegung nach jenen Verläufen eines geistigen Lebens, das derzeit in weiten Bereichen von einer anschwellenden PR-Arbeit ersetzt wird. (Die Kultur als Magd des Marketing.)

Derzeit bemühen sich ja allerhand Leute, die Provinz wider provinziell werden zu lassen, um sich von den Mühen eines konsequenten Denkens zu befreien, welches sich nicht ereignen könnte ohne das fordernde Bedürfnis nach Wissenserwerb. Wir hatten es diesbezüglich abseits des Landeszentrums schon wesentlich anregender. Aber davon ist im Moment nicht viel geblieben.

Da es müßig ist, solche Entwicklungen zu beklagen, empfiehlt sich, was man auch den Wanderern rät, wenn sie sich verlaufen haben: Versuch zu einem Punkt zurückzukommen, an dem du dich noch ausgekannt hast. Das erfordert demnach Rückblicke.

Ich hab gerade im "Austria-Forum" eine eigene Leiste bekommen, über die das Kuratorium für triviale Mythen weiteren bestand zeigen wird: "Volkskultur und triviale Mythen".

Dort ist auch die Edition auf einer eigenen Page aufgemacht. Darunter eine kleine Reflexion über "Regionale Kulturarbeit". Das beleuchtet einen anderen Aspekt dieser Geschichte, die sehr wesentlich in den 1980er Jahren wurzelt. Also:

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+) Kunstpraxis und ihre Bedingungen sowie
+) Regionale Wissens- und Kulturarbeit
...in einer Verzahnung von
+) Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst.

Die Kontinuität der Arbeit ist wichtig, aber die Rahmenbedingungen haben keine vergleichsweise Kontinuität. So sind eben die Verhältnisse. Dazu gibt es zwei aktuelle Texte, wovon einer der aktuellen Standortbestimmung gewidmet ist: "Vergangenheit ist immer da" (Kultur ist also nicht das, was einem durch das Verrinnen der Zeit einfach zufällt). Der andere bezieht sich auf jenes Terrain, wo ich mich noch gut ausgekannt hab, woraus nun auch Schlüsse für die nahe Zukunft zu ziehen wären:"Ein aufbrechendes Zeitfenster" (Sollst sanft in meinen Armen schlafen).

In einem der Texte habe ich erwähnt, "daß alles, was uns gelingt, auf den Vorleistungen anderer beruht". Das empfiehlt für ein weiteres Gelingen von Arbeit die wenigstens kursorische Kenntnis mancher dieser Vorleistungen. Da bleibt eigentlich nichts von der eitlen Phantasie, es könne jemand in singulärer Exzellenz das Genie in sich aufrichten und so aus sich heraus etwas Einzigartiges, womöglich völlig Neues erschaffen. Das sind Spießerphantasien, wo sich jemand nach Größe und Bedeutung verzehrt. Das sind völlig uninteressante Konzepte.

Gut, auch diese meine Position hat das Zeug zur Pose und ist bloß eine Variante unter mehreren Möglichkeiten. Romantisch betrachtet stehe ich im Lager des Hephaistos. Der war mit Leidenschaft auf seine Arbeit konzentriert und mochte sich nicht um die eitlen Geschäfte der Selbstrepräsentation kümmern, die nach adäquaten Auftritten vor bedeutenden Leuten verlangen, im Falle des Hephaist vor der Götterriege, die seine Kundschaft war. (Dem hielt übrigens seine Ehe mit Aphrodite nicht stand.)

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Hier ein anderes Dokument, 1979 von Everest verfaßt, also von Ernst M. Binder. Da sind im Rückblick allerhand Schnittpunkte zwischen Popkultur und Gegenwartskunst. In all dem liegen keinerlei Rezepte für die Gegenwart und wir befassen uns gerade mit einer möglichen Zukunft, die sich aus Verhältnissen ergibt, von denen wir damals nicht einmal etwas ahnten. Es kommt also in meinem Tun keinerlei Prophetie vor.

Aber dieses zähe In-Bewegung-bleiben erweist sich als tauglicher Modus, um bei der Erhellung mancher Hintergründe den Kontrast im Blick auf die Gegenwart zu verbessern. Mehr ist im Moment noch nicht klarer zu erkennen. Ich denke, das reicht für den Augenblick. (Wir werden sehen, was das auf dem Weg zum heurigen Kunstsymposion nützt.)

-- [Das 2018er Kunstsymposion] --

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