Mit Hegemoniestreit meine ich eine
Auseinandersetzung darüber, welche Methoden und
Strategien uns nützen, um im Lauf der Dinge zu
klären, was der Fall ist. Was also sind gesicherte
Fakten und wie kommen wir dazu? Welche Einrichtungen
haben dabei welchen Rang? Wie können wir prüfen, ob
wir belogen werden? Welche Kriterien nützen uns, um
Meinungsbildung und deren Ergebnisse zu beurteilen,
zu bewerten?
Wir sind seit der Antike mit der
systematischen Anwendung von Zweifel und Kritik
vertraut. Wir sind seit der Aufklärung gefordert,
uns – wie Kant meinte – unseres Verstandes ohne
Anleitung durch andere Leute zu bedienen.
Es
gibt drei Bereiche, die ich diesbezüglich im Auge
hab. Ich versuche in Kolumnen zu beschreiben, was da
vorgeht. Kulturpolitik. Der Rechtsruck innerhalb des
Kulturvölkchens. Und aktuelles Kriegsgeschehen
(„Mars“).
Ich sehe also keine „Spaltung der
Gesellschaft“, wie einst Moses das Meer geteilt
haben soll, denn ich finde weit mehr Lager in
Bewegung.

Putin hat unter heimischen Kulturschaffenden
eine solide Fanbase.
Aber ich finde eine harte Polarisierung in einer
eher jungen Form des öffentlichen Diskurses;
internetgestützt. Als ich aufwuchs, war vom
Treppenhaus im Gemeindebau, von der Bassena und vom
Stammtisch die Rede. Zusätzliche Öffentlichkeit
boten diverse Leserbriefspalten und manche
Radiosendungen, bei denen man anrufen konnte.
In den traditionellen Medien ging aber nichts
ohne Türhüter, die Entscheidungen fällten, wer
gezeigt/gesendet wird und wer nicht. Piratenradio
und frühe Online-Netzwerke waren dabei Nischen. Mit
dem TCP/IP und den diversen Diensten im Internet
begann sich das radikal zu ändern.
Ich war
ein Early Adopter und Teil der frühen
Netzkulturszene. Wir kannten allerhand soziale
Probleme in Special Interest Groups, in Mailboxes
und Internetforen. Von daher wußten wir, was Trolle
und deren Strategien sind. Aber was uns die Social
Media schließlich in den Diskursen um die Ohren
gehaut haben, hat niemand von uns kommen gesehen.

„Zum Glück weiß ich wirklich
Bescheid, wo mich doch lauter Deppen
umgeben.“
Diese gesamte Entwicklung innerhalb des erwähnten
Hegemoniestreites belastet unsere Demokratie,
korrumpiert in zunehmenden Ausmaß das geistige Leben
des Landes und hat damit unter anderem äußerst
nachteilige Effekte für den Kulturbereich. Ich kann
daher nur fassungslos staunen, wie wenig Verbündete
ich derzeit finde, um jene Sphäre zu schützen, in
der öffentlicher Diskurs mit redlichen Methoden
geführt wird, um für Kunst und Kultur tragfähigen
Boden zu sichern.
Offenbar müssen wir neu
klären, was redlichen Methoden sind, wie wir mit
Dissens umgehen können und ganz generell: Wie
erarbeitet man aus Informationen Wissen? Wenn wir
uns darum nicht kümmern, könnte die Erosion des
Kulturbetriebs demnächst Kategoriensprünge machen.
[
Fortsetzung]
Die erwähnten
Kolumnen+)
Kulturpolitik (v@n-site)
+)
Kulturpolitik (Kunst Ost)
+)
Rechtsruck+)
Mars++)
Palästina