7. Juli 2026

Welches „Rußland“?

[Vorlauf] Ich staune, wie in meiner Gegend imperiales Geschwätz als relevante Mitteilung angenommen wird. Zitat: „Vladimir Putin's state TV propagandists have called on Russia to invade nearby European areas as they are ‚our territory‘ and ‚our land‘“.

Dieser Tage berichtete Antonio Scancariello vom britischen Express: „Russia issues horror WW3 threat to invade 5 countries“ und „We will take them“, denn „They are our territory and our land“. Das ist natürlich völliger Blödsinn, der bei uns kursiert, um die Mär weiterzutragen, „die NATO“ habe Putins Rußland bedroht etc. blablabla. [Quelle]



Die Sophienkathedrale in Kiew (Foto: Jorge Franganillo, CC BY 2.0)

Welches „Rußland“? Ein über Jahrhunderte mit Gewalt zusammengeklittertes Imperium, dessen jeweils herrschende Cliquen immer das Problem hatten, daß ihnen einzelne Ethnien aus dem Verbund abhauen möchten. Rußland, das letzte Imperium auf dieser Welt. Im Zentrum ein vormals kleiner Geheimdienstler mit bescheidenem Monatsgehalt, der sich heute zu den reichsten Männern der Welt zählen darf.

Also! Welche Ethnien? Es war schon zaristische Praxis, Nachbarn zu überfallen und Völker zu unterjochen. Sehen Sie sich zur Orientierung bloß einmal die „Liste von Völkern in Russland“ an: [Link] Das ist eine sehr lange Liste. All diese Ethnien uns Subethnien wollten aus freien Stücken unter die Rockschöße von „Mütterchen Rußland“? Na, das glaub ich ja sofort!


Wo aber sind der Wohlstand, die Freiheit und die Sicherheit, wie man sie aus dem kulturellen und strukturellen Reichtum dieses riesigen Territoriums sollte herleiten können? Na klar! Hat ihnen „der Westen“ geraubt, haben ihnen „die Faschisten“ entrissen.

Krieg ist das grundlegende Geschäftsmodell des Paten von Moskau. Er wird damit vermutlich weitermachen, weil Putin und seine Kamarilla ganz offenkundig sonst nichts zu bieten haben, um wenigstes das Wohlergehen der eigenen Leute auszubauen. Volksgesundheit? Eine blühende Wirtschaft? Eine beeindruckende Kultur, in der sich die ethnische Vielfalt des russischen Imperiums ausdrückt? Gute nachbarschaftliche Beziehungen, die einen florierenden Handel sicherstellen? Lustig! Dafür hat Putin noch nie gesorgt, seit er regiert.



(Quelle: ORF)

Seine Angriffslust offenbart eine simple Motivlage: Gefolgschaft und Gehorsam im eigenen Land, nutzbare Arbeitskraft und Bodenschätze, schließlich Kanonenfutter, um die Maschinerie in Gang zu halten, mit der sich Rohstoffkolonien sichern lassen und die eigene Einfluß-Sphäre ausgeweitet werden kann.

Der Krieg gegen die Ukraine zeigt uns, was zaristische Tradition ist. Das menschliche „Vieh“ der Herrschaft darf sterben. Wir erfahren längst aus vielfältigen Quellen: Kommandanten wollen den Nachschub an Kämpfern gar nicht mehr kennenlernen. Die Soldaten sterben im Einsatz zu schnell. Status quo: Russen überleben auf dem Schlachtfeld 20 bis 35 Minuten.



(Quelle: Frankfurter Rundschau)

Postskriptum
Zur Behauptung, die Ukraine sei „russisch“, bloß noch dieses Detail: In Kiew wurde etwa 1037 mit dem Bau der Sophienkathedrale begonnen. Um 1156 entstand in Moskau eine erste hölzerne Wehranlage, die später, ab etwa 1367, zum steinernen Kreml wurde. Die Ukraine war also schon eine kulturelle und politische Kategorie von Rang, da hatten Russen erst an den Grundlagen von was auch immer zu arbeiten.

Der aktuelle Treppenwitz erigierter Putinisten, Zitat Scancariello: „Russian TV host Vladimir Solovyov, along with some of his guests, said that Russia should take back Finland, the Baltic states [Estonia, Latvia, and Lithuania], and Poland, and ‚stop giving away territories‘.“ [Quelle] [Fortsetzung]

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