14. Oktober 2025

Erosion des Kulturbetriebs IV


[Vorlauf] Es läßt sich salopp zusammenfassen: Ich finde beim Kulturvölkchen gleichermaßen wie beim Rest der Gesellschaft diese verschiedenen Felder. Kontrastreich. Vereinzelte Nischen, in denen sich Menschen dem Wissenserwerb und einem redlichen Diskurs verpflichtet sehen. Dem gegenüber hat sich der Boulevard sehr breit gemacht, wo das völlig egal ist. Hauptsache man haut einen fetten Spruch raus und wird somit bemerkt.

Die jungen Social Media sind sehr stark von einem eigentümlichen Erregungs-Management bestimmt. Was sich da an „Content Generators“ tummelt, generiert vielfach Datenmüll, der sich als Information ausgibt. Beachtet man die Quellen, falls überhaupt welche genannt sind, zeigt sich oft: zusammengeklitterte Nachrichten von einer Daten-Schutthalde.



Wenn der Dorfschulmeister dienstlich wird...

Damit verkürzt jemand dann auch „Kritik“ auf ein bloßes Anschütten Andersdenkender; eine Behaupterei, zu der keine Gründe mehr genannt werden. Das heißt, die Debatte wird abgeschafft und durch knappe (Vor-) Urteile ersetzt. Urteilsbegründung? Purer Luxus. Der Modus lautet „Verkünden statt begründen“.

In einem Streitgespräch könnte ja auch Dissens gelten und dürfte so stehengelassen werden. Dann sind wir uns eben nicht einig. Macht nichts! Wer sich aber in den Social Media aufplustert, um sich hervorzuheben, egal, worauf sich dieser Anspruch stützt, braucht keine Gründe. Psychiaterin Heidi Kastner hat diesen Modus in ihrer Arbeit zum Thema „Dummheit“ knapp zusammengefaßt: „Wollen sie diskutieren oder wollen recht haben?“

Ich habe mir zu Anschauungszwecken den Herrn Alois Schnösel erschaffen, dessen zitierte Aussagen allerdings Originalton lebender Personen sind. Dieser Alois Schnösel (aka Schnösel vom Kulm) zeigt wie es geht. Ich staune, daß ihm dabei andere Kunst- und Kulturschaffende auch noch applaudieren, denn diese exemplarische Art eines tyrannischen Dorfschulmeisters korrumpiert unseren Kulturbetrieb an allerhand Ecken.



"Alles Deppen, außer wir!"

Das Geltungsbedürfnis des Schnösels geht so weit, daß es nicht vorzieht, in dieser Sache anonym zu bleiben, sondern indem er mich gelegentlich zitiert, namentlich nennt, und alle Welt wissen läßt, daß er damit gemeint sei. (Ich bin sicher, daß er so ein wenig beiträgt, meine Leserschaft zu vergrößern.)

Da möchte man annehmen, daß der Mann keinesfalls zu den hellsten Kerzen auf der Torte zählt. Eine kleines Beispiel, Zitat: „Betrifft Krusche: Seine Selbstherrlichkeit ziehen wieder einmal in gewohnt beleidigender Manier über mich her, er bezichtigt mich - wie seit Jahren- aller Unsitten, die er selbst vorlebt und verschafft mir letztlich doch ein breites Grinsen darüber, wie er sich ob eines kleinen, gar nicht sonderlich bösartigen Posts, in epischer Breite seine Timeline strapaziert.“ (Nein, daß wir „seit Jahren“ miteinander zu tun hätten, ist gelogen.)



Sie werden kaum überrascht sein, da haben der Schnösel und ich Dissens.

Das heißt, anstatt meine Argumente anzugreifen und eventuell mit Gegenargumenten zu entkräften, greift er mich an. Statt Krusche-Beispiele zu nennen, die man kritisieren könnte, bleibt bloß ein Krusche-Bashing. Ich halte das allein schon für ein recht taugliches Kriterium. Mit so einem tyrannischen Dorfschulmeister muß man sich nicht weiter befassen. Das wäre bloß vergeudete Zeit. Rigides Denken will keine neuen Erfahrungen und Erkenntnisse finden, sondern bloß die laufende Bestätigung der eigenen Ressentiments. Eine Art des geistigen Knasts, in dem man selbst zugleich Gefangener und Aufseher ist. [Fortsetzung]

Die erwähnten Kolumnen
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